Überfällig im Quadrat.
Ich bin nicht ganz so tot wie man glauben möchte… Jedoch gebe ich voller Schande zu, dass ich seit Ewigkeiten nichts mehr geschrieben habe. Dem schaffe ich hiermit wenigstens ein bisschen Abhilfe. Aber nicht mit dem Eintrag den ich seit Monaten schuldig bin, sondern mit frischem Material, denn sonst kommen wir ja doch nie voran!
Was also geht ab, dass ich wie vom Erdboden verschwunden bin? Naja, ich hatte eine Menge um die Ohren! Die Kurzfassung ist, dass ich jetzt in zwei Jobs arbeite die mich recht stark beanspruchen und ich ständig auf Achse bin, oder wenn nicht das, dann am schlafen.
Aber holen wir alles mal in Kurzform auf:
Das letzte Mal als man von mir las war ich in Edmonton. Rückblickend kommt mir das tatsächlich wie eine Ewigkeit vor! Vielleicht liegt es daran, dass es eine ist. Wie dem auch sei, Edmonton also. Nicht lange nach dem letzten Eintrag verließ ich (wie dort angekündigt wenn ich mich recht entsinne) die Stadt um mich mit meinem guten, viel erwähnten und scheinbar viel verlässlicher bloggenden Freund Rabanus zu treffen – in Banff, von dem er Abschied nahm.
In Edmonton also in den Greyhound, über Calgary nach Banff um durch einen Sturm gefahren Hallo zu sagen. Gut, nicht nur Hallo, nein, viele, viele Worte wurden gewechselt und die Freude war allerseits. Mit dem Bus also weiter nach Vancouver. In Vancouver angekommen ein wenig im Nu geschlemmt (ich meine berichtet zu haben… alter Vancouver-Eintrag), geschlafen und dann ab nach Seattle. PAX!
PAX (Penny Arcade Expo) war ein großer Spaß. Ich habe mir einen Nintendo DS zugelegt, wir haben viele interessante Leute getroffen oder wenigstens gesehen und uns im Geekvana heimelig gefühlt. Rabanus hat sogar ein Foto mit… wie hieß er doch gleich… Dominic Amato (?) erhaschen können – dem Synchronsprecher von Guybrush Threepwood aus Monkey Island. Jaaa, ich weiß, das ist toll, nur mir gab es nichts (wohingegen es einer seiner glücklichsten Tage war – Eigenaussage!).
Nach der PAX mit der Fähre nach Victoria, der verschlafenen Hafen- und Hauptstadt British Columbias. Dort eine Woche verbracht, in Icewind Dale Monster verprügelt, in der Stadt ein bisschen umgeschaut und dann ins Ungewisse! Wir fuhren per Anhalter von A nach B, machten viele interessante Bekanntschaften, wurden nicht erstochen oder beraubt (auch wenn viele diese Sorge hegen und hitchhiken in Kanada teilweise verboten ist) und kamen dann nach einer gewissen Zeitspanne in Tofino an.
Tofino? Klingt nach Toffifee? Ja, ein bisschen, ist aber eine Stadt die vor Hippies nur so wimmelt. Wwir haben auf Vancouver Island über 50 (fünfzig!) VW-Busse in nicht mal 3 Wochen gesehen. Und wir haben bei 50 aufgehört zu zählen, es waren danach noch weit mehr. Jedenfalls wohten wir dort quasi mit einem gewissen Dylan zusammen – er in seinem Anhänger, wir in unseren Zelten auf einem Zeltplatz. Wir hatten tolle Abende, wilde Abenteuer und eine Menge Spaß!
Wieder per Anhalter wollten wir dann endlich die große Wandertour packen die wir so lange geplant hatten. Das liebe Geld, oder eher dessen Mangel verhagelte uns den Nootka Trail und so entschieden wir uns für eine billigere Variante: Die Della Falls! Auf unserem Weg von Victoria nach Tofino kamen wir durch eine kleine Stadt namens Port Alberni und weil uns das Hostel und ganz besonders die Leute darin so gut gefielen machten wir uns dorthin zurück.
Angekommen wurden wir so warm empfangen wie es nur geht. Fat Salmon in Port Alberni? Yes please! Eines der gemütlichsten Hostels die es gibt. Privater Besitz, die Familie wohnt im Keller und alleine das Herangehen an die Regeln: “Wir sagen euch was ihr gerne machen könnte, nicht was verboten ist – das macht nämlich keinen Spaß.” Mit tatkräftiger Unterstützung fanden wir so eine Gelegenheit den Trip für lachhafte $35 pro Person zu machen.
Fünf Tage Wildnis folgten. Am ersten wurde Kanu gefahren, am zweiten gewandert, der dritte und vierte Tag sahen sehr ähnlich aus und am letzten paddelten wir munter zurück. Die Della Falls sind mit über 400m die höchsten in ganz Nordamerika. Sehr schmal, deshalb nich so beeindruckend wie die Niagara Fälle (die ich immer noch sehen muss, jetzt wo ich in Toronto bin), aber trotzdem monumental und atemberaubend.
Hier trennten sich des Rabens und meine Wege dann – er mit dem Greyhound gen Osten nach Winnipeg (Stratovarius, Konzert) und ich… ja und ich saß in Port Alberni. Nach all dem packen, reisen, wandern, Leute treffen, Erlebnisse erleben und wuseln brauchte ein paar Tage meine Ruhe. Also entschloss ich mich für das Hostel zu arbeiten und meinen Aufenthalt damit zu finanzieren, denn: So langsam ging mir das Geld aus! Nach ein paar Tagen dann mein Entschluss: Weiter muss es gehen und zwar richtig! Da ich den Westen ja nun in 4 Monaten doch schon ganz gut kennengelernt hatte wollte ich in den Osten. Toronto!
Ein paar Kalkulationen und Graphen später (oh ja, die werdet ihr ertragen müssen) stand es fest, dass ich fliegen würde. Also: Per Anhalter zur Fähre, mit der Fähre nach Vancouver, von Vancouver nach Edmonton, 4 Stunden Aufenthalt und weiter nach Toronto. In Toronto ankommen uuuuund wir nähren uns “Heute.”
Das Hostel in das ich zunächst einbuchte wurde mir in Port Alberni empfohlen – oder sagen wir besser, mir wurde die 2005 Variante empfohlen. Es stelle sich nämlcih heraus, dass das “Global Village Backpackers” hostel mittlerweile dann doch ziemlich runtergekommen und alles andere als besonders angenehm war. Trotzdem hielt ich es knapp zwei Wochen dort aus, denn es war recht günstig.
Günstig! Gutes Stichwort. Ich sagte ja bereits, dass mir das Geld langsam ausging. Klar, in Edmonton konnte ich nicht Vollzeit arbeiten und so schwanden meine Reserven beängstigend schnell. Es hieß also einen Job finden! Craigslist wurde mir ans Herz gelegt (eine Onlineplattform für Kleinanzeigen aller Art) und so machte ich mich ans Werk. Dutzende Bewerbungen mit Anhang fanden ihren Weg über das weltweite Netz hin zu potenziellen Arbeitgebern.
Das Glück war auf meiner Seite und schon am zweiten Tag klingelte mein Handy (inzwischen mit neuer Toronto Nummer): t.o.night, eine kostenlose Abendzeitung im Sinne der “nadann…”, oder wie das Dingen heißt. 50% Werbung die den Abnehmer noch mal durchhirnwaschen soll bevor er seine Einkäufe erledigt, aber nach dem was ich von den Konsumenten gehört habe auch sonst eine ziemlich okaye Zeitung.
Am selben Abend also hieß es dann: Tasche um, Jacke an, Mütze auf (ein Bild mit mir und Nachrichtenjungenmütze gibt es nebenbei hier: http://twitpic.com/k1fh0 – schaut euch auch die anderen Bilder an, da bin ich z.B. auch als Zombie mit dabei!) und los verteilt! 3 Stunden von 15:20 bis 18:20, Montag bis Freitag, $11 / Stunde. Ihr rechnet das mal flugs aus und seht: Bei $150 in der Woche für das Hostel bleiben mir ca. $2 am Tag… Damit kommt man natürlich nicht weit!
Trotzdem blieb es eben für knapp zwei Wochen dabei, denn trotz intensiver Suche wollte sich nichts gutes auftun. Wie das aber eben gerne mal so ist: Eine Kollegin erzählte mir, dass ein Muffinshop Angestellte suchen würde, just im Gebäude vor dem sich ein Part der Verteiler trifft. Ich also am nächsten Tag direkt mit Resume die Rolltreppe runtergewackelt und was soll ich sagen: 10 Minuten später hieß es “Monday at 11!”
Und so erwarb ich mir meinen zweiten Job. Ich verkaufe Muffins, Kaffe und Krams dieser Sorten (überwiegend) an Business-Kunden (es ist ein Bürogebäude der 50 Stockwerke Art) und… das war’s im Grunde auch. Kopf braucht es da nicht so sehr wie fixe Hände und ein nettes Lächeln. Der Job ist prima, hat allerdings einen großen Haken: Aufstehen um 5 Uhr morgens.
Jetzt könnt ihr vielleicht verstehen, warum ich mich nicht gemeldet habe: Ich wache um 5 Uhr morgens auf, arbeite, habe ein, zwei Stundne Ruhe, arbeite wieder – und glaubt mir, energetisch Zeitungen in der Straße an den Mann bringen kann in der Kälte sehr anstrengend sein – und dann muss ich auch fast schon wieder ins Bett. Meine Tage sind also sehr kurz und das bisschen Freizeit das ich habe nutze ich gerne zur Entspannung (und so gerne ich auch schreibe, aber richtig entspannend ist es dann doch nicht und es frisst eben Zeit!)
Mit beiden Jobs mache ich jetzt nach meiner Rechnung ca. $1.700 im Monat – damit komme ich sehr prima über die Runden. Mal gucken wie es weitergeht!
War das jetzt so schwer und viel zu schreiben? Nein, aber der Schweinehund war riesig und die Müdigkeit ähnlich überwältigend. Ich hoffe, dass hat erst mal das eine oder andere beantwortet. Ich schwöre, ich werde die Eintragslücke füllen, das Inhaltsverzeichnis für die Strecke in der Mitte steht und (wie immer, aber diesmal wirklich) habe ich eine sehr gute Vorstellung wie ich das alles nachreichen werde. Also: Ich lebe und werde das jetzt auch wieder zeigen, Entschuldigung noch ein Mal für die Downtime. Aber stellt euch für jeden zweiten Absatz einen eigenen Artikel in dieser Länge vor und ihr wisst ca. was ich euch antun möchte, oder eben grade nicht, weil zu trocken und zu lang.
Ach ja: Fotos? Sieht’s im Moment böse mit aus, weil das Internet hier im Hostel alles andere als zuverlässig ist und besonders die Uprate mehr als zu wünschen übrig lässt. Ich werde versuchen mein Möglichstes zu tun! Über 150 Bilder habe ich schon in der Warteschlange, das lässt also hoffen. Gut, jaja, ich bin ein Meister der Enttäuschungen, aber mit ein bisschen Konsequenz bieg’ ich das schon hin. Immer fleißig auf die Finger hauen, dann wird’s was!











