(Anmerkung: Der Artikel hat sich einen Tag nach hinten verschoben, wegen des Wireless…)
Oh grausame Qualen! Das Hostel in Edmonton hat kein überall zugängliches WLAN! Jetzt muss ich in die Lobby oder noch schlimmer in die Bar unterhalb des Hostels! Was seine schlechten Seiten hat, hat aber auch seine guten: Durch die offensichtlich unbequeme Lage des kabellosen Netzwerkes (Versuche die in meinem Zimmer vorhandenen zu knacken waren bislang ob mangelndes Traffics leider erfolglos) hält mich davon ab mich zu sehr abzulenken. Aber fangen wir am besten mal am Ende des letzten Blogeintrags an.
Was feststand war, dass ich nach Edmonton gehe, dort bin ich gestern Abend dann auch angekommen. Seit dem hat sich aber vieles getan, deswegen unterteile ich diesen Artikel in folgende Abschnitte: Lake Minnewanka, Canada Day, Edmonton bisher. Vorsicht, es könnte sein, dass ich euch durch mehr Text quälen müsst als ihr wollt. Natürlich steht es euch frei auch einfach die hübschen Bilderchen anzuklicken (von denen es diesmal gleich eine ganze Großhandelsladung gibt).
Bevor es mit dem eigentlichen Artikel los geht noch ganz kurz, was nicht abgedeckt wird: Unser Besuch bei den „heißen Quellen“ – die nämlich eigentlich nur ein warmes Swimming Pool sind und deswegen nicht wirklich der Rede wert – wie mir Ginger Ale und mein Wecker gestohlen wurden, wie ich mal wieder drei Tage auf dem Boden geschlafen habe und wie viele Chips ich an diversen Videoabenden gegessen habe (das möchte ich selber nämlich gar nicht so genau wissen…). Wie es bei Rabanus das letzte Mal hier ihr solltet euch ne Tasse Kakao oder so schnappen… Vielleicht nehmt ihr euch für meinen Beitrag ein Snickers, das lesen könnte nämlich etwas länger dauern. So, jetzt aber los mit dem eigentlichen Spaß.
Lake Minnewanka (und der Weg dort hin)
Etwa 4 Wochen hatte ich in Banff. Ich kann jetzt getrost sagen, dass ich keine weitere 4 Wochen dort hätte verbringen wollen. Wie schon im letzten Artikel erwähnt besteht die Stadt eigentlich nur aus Touristen. Üblicherweise neige ich ja dazu dem Lonely Planet zuzustimmen, aber bei Banff weigere ich mich zu „es scheint, als sei die ganze Stadt immer in einer ausgelassenen fröhlichen Stimmung“ ja zu sagen. Ich habe es irgendwie immer mehr, naja nicht als „bedrückend“, aber irgendwie als schleppend empfunden. Die Touris mit ihren Souvenirs in den Plastitüten, schwitzend in der Sonne in Sandalen, die aufgebrezelten Mädels am Abend, leicht angetrunken die Hauptstraße entlang huschend, die Pferdekutschenfahrer leicht gequält grinsend am Straßenrand – ihr versteht was ich meine.
Auf der anderen Seite lebt die Stadt natürlich von der Natur um sie herum. Ich als alter Wanderprofi (*hust*) hatte hier und da mal ein paar kleinere Wege bewandert und das war ja auch schön und gut, aber mir fehlte (nach Sulphur Mountain – siehe Rabanus’ letzten Eintrag samt Fotos) mal wieder ne richtig schöne Tour. Wie gut, dass es den Menschen den ich grade in Klammern genannt habe gibt. Er (und ich) entschieden uns dann für Lake Minnewanke, weil wir beide noch nicht da waren und der See als ausgesprochen schönes Ziel gilt. Vor ein paar Tagen, von Sulphur Montain aus konnten wir ihn schon sehen, mit seinem tatsächlich türkisblauem Wasser. Also ließen wir uns nicht lumpen, Stiefel an und…
Und naja, wie da hin kommen? Wir waren uns eigentlich einig, dass wir laufen wollten, aber wo wir hinschauten hieß es „Zu weit!“, „Macht keiner!“, „Nehmt ein Taxi!“, etc. Aber hey, wir wollten kein Geld ausgeben und so weit konnte es schließlich nicht sein. Mit dem Fahrrad bewältigten die Strecke viele und das auch in erster Linie, weil der Weg über weite Strecken entlang des Highways verlief. Wir rechneten ca. 4 Stunden für einen Weg. Karte gepackt und los.
Vorweg: Es müssen wohl wirklich extrem wenig Leute sein, die diese Strecke zu Fuß machen. Ich kann zwar verstehen warum (weit, ja ja), aber gelohnt hat es sich. Etwa eine Stunde außerhalb der Stadt blieb der Rabe kurz stehen, reckte den Hals gen Berg zur linken und ließ es „Wow“ verlauten. Meine Äuglein schweiften hinterher und auch mir entfuhr ein „Wow.“ Ein Bach raste in wasserfallartiger Manier den Hang hinunter und bot einen ziemlich imposanten Eindruck. Ich ließ kein langes Zögern zu: „Hingehen?“ Ein Nicken erwiderte meine Frage.
„Hingehen“ durch die Natur ist hier natürlich immer so eine Sache. Man will ja keine Wildblumen oder sowas kaputt machen und Habitate zertören. Wie watschelten durch’s hohe Gras zu nächsten Schild das uns Aufklärung verschaffen sollte. Irgendwie mussten wir ja da hin kommen und wir haben auch drauf geachtet keine Grashalme umzuknicken. „Achtung! Lawinengefahr!“ Achsooo, ja dann brauchten wir uns ja keine Sorge zu machen – die Zeit für Lawinen ist längst vorbei. Praktischerweise stand das Schild direkt neben einem Pfad der Richtung Wasserfall führte (neben den Hinweisen „Wissen Sie was Sie tun?“ und so weiter – ja, wussten wir, danke).
Nicht lange dauerte es, da konnten wir das Rauschen, ja fast schon ein Tosen der Wassermassen hören die die Felsen entlang fielen und flossen. Ein paar Minuten und Kraxeleien später setzten wir uns dann auf ein kleines Plateau, füllten unsere Wasservorräte ob des heißen Wetters mit glasklarem Bergwasser und mampften munter die erste Ration unserer Verpflegung. In der Tat höchst gesund, bestehend aus Früchten und Baguette.
Ach ja, habe ich schon erzählt, dass wir beide uns Bandanas (quasi Kopftücher) gekauft hatten? Nein? Oh, hatten wir aber. Schon vor meiner Abreise wollte ich unbedingt eines haben, bin aber nicht mehr dazu gekommen. Rabanus war von der Idee natürlich sofort angetan und hat auch eins erworben. Ich erwähne das eigentlich nur, weil wir beide uns ein bisschen wie Piraten vorkamen und deshalb das eine oder andere Foto unter diesem Absatz am besten mit Piratenmusik im Hintergrund zu genießen ist.
Das klingt doch eigentlich nach einem schönen Tag den man in der Stadt bei einem Glas Rootbeer ausklingen lassen… Moment… Lake Minnewanka, ach ja, das hier war ja gar nicht der Ausflug! Aber umso schöner war es, dass wir einfach vom Weg abgewichen so großartig belohnt wurden – selten hatte ich so viel Spaß bei einem nicht geplanten Umweg. Fix also den Weg hinabgestiegen und zurück auf den Highway, Richtung See.
Zeitmäßig waren wir natürlich durch den Wasserfall völlig hinter den Plan geraten. Aber erstens kannten wir das ja schon von uns (mindestens einen „Termin“ auf unseren Touren verpassten wir irgendwie immer) und zweitens interessierte uns das nicht wirklich, bei dem Vergnügen dass es uns bereitete unsere Freiheit mal richtig auszukosten – hetzen, das wäre ja noch schöner!
Langsam fanden sich links und rechts Bäume ein, der Weg fing an steiler zu werden und wir fanden und nach einem kurzen Stück Flachland abermals in den Bergen wieder. An einem Punkt blieb ich einfach stehen und erklärte meine Eindrücke.
Weißt du,
sagte ich zu meinem Gefährten
Das hier kommt schon ziemlich nah an das ran, was ich gesucht, oder sagen wir besser erhofft habe. Dieses Bild. Diese nahezu überspannenden Bäume über einem Weg, umringt von Bergen oder sowas, das man der Szene eigentlich gar nicht enkommen kann
Im Original habe ich es natürlich in Englisch und etwas anders ausgedrückt, aber wer gerade zufällig unter Windows XP arbeitet kann sich mal den Bildschirmhintergrund „Herbst“ anschauen – das meine ich mit „überspannend“, also nach oben abschließend. Es fühlte sich aber wirklich schon so ähnlich an. Noch nicht ganz die Perfektion die ich gesucht habe, aber so nah dran einfach durch Zufall zu kommen war schon nicht schlecht, ich bin optimistisch den letzten Pfiff auch noch zu bekommen wenn ich nur weitersuche.
Aber das nur am Rande, darum geht es hier ja gar nicht! Rabanus wird sicher noch eines seiner Bilder veröffentlichen, dass eine Pflanze zeigt wie sie durch den Asphalt gebrochen ist – samt demonstrativem Stück Teer direkt daneben! Das hat uns mal wieder sehr klar vor Augen geführt, dass in Kanada, die Natur wirklich stärker im Vordergrund steht als z.B. in Deutschland.
Und so ging das Wandern munter weiter. Der kleinen Geisterstadt am Rande des Wegs statteten wir einen kurzen Besuch ab. Bis in die 20er Jahre wurde dort Kohle gefördert, heute stehen nur noch ein paar Grundmauern samt Infotafeln. Wir hoben ein bisschen Müll am Wegesrand auf – ja, wir machen sowas, zupften uns ein paar Splitter aus den Händen die wir uns wer weiß wo zugezogen hatten und dann – und ich möchte nicht sagen „endlich“, weil die Reise in diesem Falle mindestens genauso viel wert war wie der Weg – Lake Minnewanka. Eigentlich sollte ich den ja jetzt noch mit Fotos belegen können, nur leider habe ich da nur zwei. Die enthalte ich euch natürlich nicht vor, da, bitte schön:
Rabanus hat mehr gemacht, wartet auf dem seinen nächsten Eintrag, dann könnt ihr das alles noch mal und mehr bewundern. Viel spannender war aber ohnehin was wir am See gemacht haben. Gegessen nämlich in erster Linie. Das Baguette wurde gerissen und freizügig mit Frischkäse (Philadelphia*), Geflügelsalat, Fetakäse und anderen Leckereien versehen und dann mit Früchten und dem immer noch großartigem Bergwasser sowie „Arizona“ Eistee hinuntergespült. Das alles auf den Klippen am Rande des türkisfarbenem Wassers in steifer Brise. Muss ich mehr dazu sagen? So gut kann Essen an einem Tisch einfach nicht schmecken!
Die Brise trieb uns dann allerdings bald in ein Stückchen Wald hinter uns, weil sie doch ein wenig arg frisch wurde. Rabanus konnte dann auch endlich seine (Tage) zuvor gekaufte Melone anschneiden (was hatte der einen Spaß an dieser Melone!) und wir haben beide mal ganz bewusst Papaya gegessen.
Bevor ich von der Rückreise in der Nacht berichte (wir wollen ja ein bisschen Spannung aufbauen) gehe ich noch kurz auf das Sternchen (*) hinter dem Philadelphia oben ein: Man ist quasi erstaunt, wie viele deutsche Produkte man hier in Kanada finden kann! Meine Lippen waren extrem trocken, also? Nivea Lip Care, Sitz der Beiersdorf AG: Hamburg! Werthers Original und Riesen von Sorck und auch Katjes findet man hier und da. Ein kleines Bisschen Heimat also auch am anderen Ende der Welt.
So, wo war ich? Ach ja, die Heimreise mitten in der Nacht! Schließlich war es inzwischen doch schon recht dunkel geworden (es war 10 Uhr oder so) und wir mussten ja noch nach Banff zurück. Es sah so aus, als seien wir so ziemlich die letzten am See gewesen, laufen schien also die offensichtlichste Lösung. Wir stimmten ein, wenn ein Auto unsere Richtung fahren würde, würden wir den Daumen ausstrecken und einen auf Arthur Dent und Ford Prefect machen. Das letzte Mal als wir per Anhalter gefahren sind war es gelinde gesagt einfach. Der absolut erste Wagen hielt direkt an (ich glaube ich berichtete). Wir waren geradezu perplex! Und natürlich hoch erfreut.
Diesmal allerdings gestaltete sich das etwas anders. Wer jetzt denkt „Oh, das klingt nicht gut, sie sind bestimmt in der Nacht die ganzen Kilometer zurückgelaufen“ irrt. Denn: Wir mussten nicht mal einen Finger krümmen. Ein großer Geländewagen hielt plötzlich ein paar Meter vor uns, ein Mann lehnte sich aus dem Fenster „You guys need a ride to town?“ Natürlich haben wir nicht lange gezögert. Wer lehnt schon so eine Einladung ab! Klar wären wir gelaufen, aber so einen Service schlägt man nicht einfach aus.
Kaum eingetiegen gab’ es direkt die typisch kanadische herzliche Begrüßung, samt Namen, Händeschütteln und alles drum und dran. Der Fahrer, Mike, kümmert sich in Banff um das Recycling von Flaschen, auf dem Beifahrersitz, sein Neffe. Mike wollte nicht nach Hause wir er uns erzählte – er wollte dem packen entkommen, denn er musste von auf Geschäftsreise oder sowas. Also hatte er sich seinen Neffen geschnappt (etwa in unserem Alter) und fuhr mit ihm durch die Gegend, denn er hatte unter anderem ein Boot am See wo wir gerade her kamen.
Im Grunde nur breit grinsend auf den hinteren Sitzen untergebracht kam dann eine Frage, mit der wir nicht gerechnet hatten: „You guys wanna see some bears?“ Bären! Ja klar! Ein paar Nebenspuren hier und da und Mike fuhr uns eine Straße entlang, die er in den letzten Jahrzehnten als quasi Bärentreffpunkt ausgemacht hatte. Leider fuhren wir die gesamte Strecke ab ohne auch nur die Spur eines Bären zu sehen.
Doch dann! Ganz am Ende des Straße glubschten uns 2 Grizzlys an. Es waren recht junge Tiere und aufgeschreckt durch das Auto stapften sie ein paar Meter den Hang hinauf auf dem sie verweilten, doch wir konnten sie immer noch sehen. Für die, die sich mit Bären nicht so auskennen: Grizzlys haben einen Buckel, Schwarzbären (solche, wie ich sie auf Whistler gesehen habe) nicht. Grizzlys sind übrigens die weitaus gefährlicheren. Denn wo Schwarzbären meisten berechenbar reagieren sind Girzzlybären meiste wesentlich launischer und… hey! Hey, Mike! Nicht aussteigen! Hackts?
Ja, Mike stieg aus, erzählte was von „Die sind so weit weg, ich versuch die mal näher zu holen“ und lief munter auf die Tiere zu. Lange Rede kurzer Sinn, die Bären kamen nicht näher, aber Mike erzählte uns, dass er durchaus schon mal von Bären gejagt worden wäre, aber noch nie etwas passiert sei. Gut für ihn! Etwas leichtsinnig war sein Benehmen und sein Fahrstil trotzdem. Aber über sowas beklagt man sich ja nicht, wenn man gratis zurück in die Stadt kommt und dann auch nocht Bären zu sehen bekommt!
Bevor ich die Fahrt aber noch breiter trete sage ich nur, dass ich heil und unbeschadet bis vor die Tür des Hostels gebracht wurde und eine sehr angenehme Nacht hatte – nach diesem Tag, wen wunderts?
Canada Day
Was den Amerikanern ihr Independence Day am 4. Juli ist, ist den Kanadiern ihr Canada Day. Dieser am 1. Juli stattfindende Tag zelebriert, wie könnte es auch anders sein, im Grunde Kanada! Paraden, Bier, das was man eben an so einem Feiertag erwartet. Am Morgen hatte ich im Fernsehen kurz einen Teil der Übertragung aus einer der großen Städte gesehen, was meine Vorfreude natürlich steigerte. Der Tag war gut durchorganisiert und los gings.
Bis zur Parade die um 5 starten sollte war noch viel Zeit, denn wir trafen uns recht früh. Rabanus hatte im Vorfeld mal vorgeschlagen man könne doch mal nach einem Geocache suchen. Die meisten hier dürften mit dem Konzept vertraut sein, für die die es nicht sind: Man sucht mittels GPS-Koordinaten nach versteckten Gegenständen, genannt Caches, die meistens kleine Schachteln oder dergleichen sind, mit Papier drin, auf dem man sich dann einträgt. Moderne globale Schnitzeljagd um es mal einfach zu formulieren und ein großer Spaß für die ganze Familie.
Während meiner Zivizeit sagte mal einer auf dem Ith: „Es gibt keinen Ort, an dem nicht im Radius von 2km ein Cache versteckt ist.“ Ich würde seine Aussage auf „keinen besiedelten Ort“ erweitern und vielleicht ein paar Einschränkungen vornehmen, aber im Prinzip hat er Recht. So gibt es tatsächlich mitten in Banff einen Cache! Da ich davon ausgehe, dass keiner von euch jemals nach Banff kommen wird um diesen Cache zu suchen erzähle ich einfach mal von der Suche und dem finde – das verdirbt euch zwar den Spaß es selbst zu machen, aber wie gesagt, die Chancen sind doch mehr als gering dass ihr mal dazu kommt.
Am morgen fix die Koordinaten aufgeschrieben und das G1 gepackt. Nach ein paar Erledigungen in der Stadt ging es dann los. Microcache, sprich sehr klein, mit Klettband befestigt, im Herzen von Banff, so die Beschreibung. Rabanus hatte noch nie gecached, umso schöner, dass wir ihn schlussendlich gefunden haben! Nach etwas hin und her mit den Koordinaten und einem unglücklicherweise zu schnell entschlüsseltem Hinweis wurden wir fündig:
Direkt neben dem großen Informationscenter für die Toruis stehen ein paar Telefone. Überdacht und alles. Der Hinweis war „Stay close to the telephones“, also wussten wir ziemlich genau wo wir suchen mussten. Während ich Rabanus noch erklärte, dass man bei suchen und verstecken von Caches sehr vorsichtig sein müsse, weil es schon Fälle gegeben hat, wo besorgte Bürger die Polizei gerufen haben, weil sie dachten jemand würde eine Bombe legen, kroch er auch schon unter die Telefone.
„Äh, also das hier ist entweder wirklich eine Bombe, oder ich hab das Ding gefunden.“ ließ er verkünden. Er rupfte es fix ab und ohne groß einen Blick darauf zu verschwenden verschwanden wir hinter einem Zaun um unsere Beute zu begutachten. Eine kleine Dose aus der Papier guckte. Ja, so hat ein Cache auszusehen! Mit ein bisschen friemeln zupften wir die Papierstücke heraus. Der Rabe nahm sich ein paar Momente das Logbuch zu betrachten. Wir waren nicht die einzigen, die den Cache an diesem Tag gemacht hatten! Jemand war am selben Tag schon vor uns da. Ein lustiges Gefühl. Aber da es ja einer der wenigen Caches in Banff ist, nicht weiter verwunderlich. Einen schönen Canada Day wünschend (meine ich jedenfalls) kritzelten wir unsere Eroberung nieder und platzierten den Cache ganz unauffällig wieder dort wo er hingehörte.
Man merkte, dass die Straßen sich zu füllen begannen, auch wenn es noch ein paar Stunden waren bis zur Parade. Auf einer Wiese überfraßen wir uns ein wenig. Eigentlich gab es überall Stände, aber ich für meinen Teil habe nichts gekauft und Rabanus nur einen Burger, den er bereute. So verging ein bisschen Zeit bis dann der Marsch losging. Ein mal die Banff Avenue gen Fluss hinauf.
Was soll ich sagen? Das Wetter war klasse, die Parade schön nur… naja, Rabanus fehlte die Ausgelassenheit. Es war nicht wirklich „Stimmung“ wie man sie z.B. von Karnevalsumzügen oder so kennt. Kein Gröhlen, Klatschen im Prinzip nur nach Aufforderung, alles sehr zurückhaltend. Ich fand das jetzt nicht schlecht, aber ich kann verstehen, dass es nicht so richtig Partylaune war.
Fahnenschwinger(innen), Leute in Kostümen und auf Wagen, Blaskapellen, alles was dazu gehört. Und das natürlich alles schön auf kanadisch. Wie auf den Bildern zu sehen gab es den einen oder anderen Inuit / Eskimo / Native American / Indianer / Asiaten und natürlich vornweg auch Mounties zu sehen. Mounties, ihr wisst schon… RCMP? Die Jungs und Mädels in roter Uniform auf den Pferden. Guckt eucht die Bilder an, dann wisst ihr schon was ich meine. Viel mehr kann man eigentlich auch schon nicht mehr sagen, deswegen lasse ich Bilder sprechen (entschuldigung für die schiere Menge, aber das war halt mein erster Canada Day):
Als der Umzug vorbei war ging es wieder den Berg hinauf, zum Banff Centre. Videoabend und so. Nein, sowas kann man nicht nur zuhause machen, sondern auch auf einer Reise. Mit einem 15,4″ Laptop macht das auch sogar Spaß! Allerdings hatten wir nicht den ganzen Abend Zeit, denn wir wollten ja noch unbedingt das Feuerwerk sehen, dass um 11 geplant war. Also zeitig um zwanzig vor 11 los, was sich als zu spät herausstellte und so schafften wir es leider nicht zu dem Punkt auf dem Berg an den wir eigentlich wollten, aber zum Glück war da, wo wir dann auf halber Strecke stecken blieben auch schon ganz gut und ich darf euch einen Zusammenschnitt der besten Bilder präsentieren:
Und zu guter Letzt, der Teil auf den ihr alle gewartet habt! Gebt mir ein E! E. Gebt mir ein D! D… Okay, Edmonton ist mir jetzt zu lang dafür. Ergo:
Edmonton
Gestern wars. Der oben schon erwähnte Independence Day. Hier absolut ohne Bedeutung. Wäre es nicht ob eines weiter unten erwähnten Ereignisses gewesen hätte ich es gar nicht bemerkt. Am frühen morgen weckte mich Rabanus’ sanftes Stimmchen aus dem Schlaf. Mit einem gekonnten Drehen auf die Seite ignorierte ich seine Versuche mich zum aufstehen zu bewegen und verschaffte mir noch ein paar Momente kostbaren Schlafes. Doch kurz darauf war dann wirklich aufstehen angesagt.
Gepackt hatte ich meinen Rucksack zum Glück schon am Tag davor und so musste ich ihn nur noch schultern und es konnte losgehen. Vor der Busstation zu der mich der Wecker von oben begleiten wollte machten wir einen kleinen Abstecher zu „Evelyn’s“. Dieses kleine Café findet sich im Lonely Planet (auf den ich vorhin doch noch geschimpft habe) in der Preiskategorie „Budget“. Klein, aber gemütlich, (für Banff) relativ günstig und lecker, gelegen unter dem Lux Kino war dieses Etablissement zu unserem Stammtreffpunkt geworden. In den E-Mails die wir austauschten hieß es dann nur noch „Um 1 am üblichen Ort.“ Egal, ob das länger war als „Evelyn’s,“ darum geht’s hier nicht.
Vor Ort wurde dann meinerseits ein Wrap für die Reise gekauft, lecker lecker mit Ei, Speck, Salat und Tomate und Rabanus schnappte sich einen der leckeren Cookies. Das hatte ich glaube ich früher schon mal erwähnt, oder? Also dass die hier richtig groß sind, so Richtung Handteller. Also nicht das, was man in Deutschland als „Keks“ kennt. So bepackt also ging es Richtung Bahnhof, einem tränenreichen Abschied entgegen.
Gut, oder vielleicht auch nicht tränenreich, denn wir beide wissen ja, dass wir uns in weniger als 2 Monaten wiedersehen um dann auf Wandertour zu gehen, denn der Roadtrip ist nicht mehr. Also kein „Mit dem Auto quer durch Kanada“ mehr, sonder ein „Erst mal Vancouver Island, dann mit dem Zug von A nach B und dann weiterschauen.“ Auch gut. Eine Umarmung später stand ich dann auch schon und wartete auf den Bus, denn mein Gefährte musste los, eine Bewerbung für einen zweiten Job einreichen. Vielleicht hat er ihn schon? Ich erwarte Berichterstattung!
Wenige Minuten vergingen bis der große Bus einfuhr. Das letzte Mal war die Reise für mich eine ziemliche Unanehmlichkeit: Ich war krank, es war zu kalt in meinen Augen und alles in allem machte es überhaupt keinen Spaß. Deswegen hatte ich die Fahrt diesmal tagsüber gebucht und sie dauerte ja auch nur 7 Stunden, keine 13 oder wieviel auch immer von Vancouver nach Banff. Und ich muss sagen, diesesmal war es mehr als angenehm. Es waren 3 Abschnitte, mit ein mal Umsteigen à ca. 2 Stunden und die waren fixer rum als ich gucken konnte. Und dann, ja dann endlich Edmonton!
Schon im Bus sah ich einen Mann, so Anfang 30 vielleicht mit Bioware-Rucksack. Edmonton ist Sitz des Bioware-Headquartes! Wie cool ist das bitte? Ich werde da definitiv mal vorbei und auch wenn die mich nicht gebrauchen können werde ich mal ein bisschen mein Fanboytum ausleben. In diesen Hallen wurden Neverwinter Nights, Baldur’s Gate, Knights of the old Republic und Jade Empire geschaffen, Perlen der Computerspielgeschichte! Als ich aus dem Bus ausstieg sprach ich ihn auch mal direkt drauf an, ob es für Bioware arbeiten würde. Ja, tat er und er sagte, die suchen eigentlich immer Leute. In zwei Monaten kann ich natürlich nicht zum Chefdesigner aufsteigen, aber hey, wenn ich Tellerwäscher werden muss, dann ist Tellerwäscher in der Kantine von Bioware immer noch 20 mal cooler als Tellerwäscher bei McDonald’s!
Was bietet Edmonton sonst noch auf dem Papier? Das größte Einkaufszentrum der Welt. Schreit nach offenen Arbeitsstellen? Denke ich auch! Von dem was ich gehört habe ist das schon fast eine eigene Stadt… Die haben einen Zoo, ein Schwimmbad, einen Vergnügungspark – samt Achterbahn! Muss wirklich beeindruckend sein und ich werde definitiv mal hin, wenn es mir die Zeit erlaubt. Meine absolute Priorität im Moment ist die Arbeitssuche, danach kann ich mich dann auch wieder mit den spaßigen Sachen beschäftigen. „Aber Michael, wie kannst du so einen eklig langen Blogeintrag schreiben, wenn du doch Arbeit suchen solltest?“ Ganz einfach: Heute ist Sonntag, da läuft eh nicht viel und ich muss mich ja auch ein bisschen einleben und so, denkt ihr nicht?
Was also habe ich gestern nach meiner Ankunft um 19 Uhr getan? Röschtösch, erstmal Stadt unsicher gemacht. Wie ich ganz zu Beginn des Artikels schon sagte: Hier gibt es kein WLAN. Warum? Naja, das Hostel befindet sich noch im Aufbau. Es war wohl über ein Jahr geschlossen und ist dann hierher umgezogen. Man merkt, dass es früher ein richtiges Hotel und keine Jugendherberge war, denn jedes Zimmer hat ein eigenes Badezimmer samt Badewanne und solchen Pomp – was man da sonst aus Hostels gewöhnt ist hat hier wenig zu sagen. Sehr angenehm also. Trotzdem hakt es an einigen Ecken noch – so trifft man auf aufgestemmte (schreibt man das mit ä? Das kommt davon, wenn man kein Internet zum nachgucken hat) Wände, nicht funktionierende Spülungen an den Toiletten und eben nicht vorhandenes WLAN.
Ist aber alles nicht so schlimm, denn wie gesagt, so kann ich mich auch weniger ablenken und sehe mich „gezwungen“ verstärkt nach Arbeit zu suchen um in eine Unterkunft mit WLAN zu kommen. Internetsuchtie? Ich? Unfug. Kommen wir aber wieder zurück zu gestern Abend. Fix den netten Typen am Empfang gefragt was denn so gehen würde und die Antwort war sehr einstimmig von allen Seiten: Das Stressperfomer Festival. Dabei handelt es sich um Artisten und Künstler die aus aller Welt eingeladen werden (also kein Schnick Schnack, sondern richtige Namen in der Branche), die dann auf dem Churchill Square auftreten.
Hab’ ich mir natürlich nicht zwei Mal sagen lassen, sondern krallte mir die Kamera, schnappte mir eine Karte und auf ging’s zum Churchill Square. Glücklicherweise war ich noch nicht zu spät. Wie ihr unten auf den Fotos sehen könnt war durchaus Action los. Jongleure, Akrobaten, Luftballontiermacher, ein silberner Elvis der auf einem Podest stand, sowas alles. Nach ein bisschen hin und her laufen blieb ich bei der Show der „Flaming Idiots,“ die aus New York kommen und dort auch auf dem Broadway und so weiter auftreten, also verstehen die durchaus ihr Handwerk. Klasse Show mussich sagen. Einen den sie aus dem Publikum gegriffen hatten haben sie allerdings krankenhausreif bekommen… Gut, vielleicht nicht Krankenhaus, er musste zur ersten Hilfe, weil er es fertig gebracht hatte sich auf die Hand zu springen.
Der Schock war den Künstlern ebenso anzusehen wie dem armen Simon, so sein Name, aber wie Profis eben sind, the show must go on und das Programm war weiter lustig. Eine halbe Stunde später löste sich die Menge dann auf und der Platz leerte sich. Ach ja um noch schnell auf den 4. Juli einzugehen: Eine Routine der Truppe beinhaltete es, dass kleine Mädchen aus dem Publikum einen Artisten gegens Schienbein treten durfte, wenn er etwas fallen lies. Sein Kommetar dazu: “Das ist der Traum eines jeden Kanadiers, oder? Einen Amerikaner am Independence Day gegens Schienbein zu treten.” Und hier: Fotos!
Auf meinem Hinweg sah ich schon die großen Leuchtbuchstaben: „Tim Hortons“ und auf dem Rückweg konnte ich sie dann nicht mehr ignorieren. Katti würde ein breites Grinsen auf dem Gesicht stehen, denn ja, das Zeug ist halt lecker! Und irgendwie noch ziemlich günstig dazu. 5,30$ oder was ich für 6 große Doughnuts bezahlt hatte, das sind ca. 3,50€ – versucht mal in Deutschland 6 richtig große, leckere Doughnuts zu dem Preis zu bekommen! Das also war mein Abendessen. So dachte ich jedenfalls, denn…
Als ich in mein Zimmer stapfte – das neben Bad und Spiegel luxuriös groß ist – fragte mich Mike, einer meiner Zimmergenossen ob ich nicht Lust hätte mit raus zu gehen. In einem Anflug völliger Umnachtung sagte ich zu, griff meinen Rucksack und wir zuckelten gen Nachtleben. Dazu muss man ja nun sagen, dass ich so überhaupt nicht der Typ bin, der auf die Rolle geht, aber ich habe mir gedacht „Was soll schon sein! Mal unter Leute kommen!“ Und ich habe meine Entscheidung nicht bereut, ganz im Gegenteil!
Wir zogen ein in einen englischen Pub. Nicht schrecklich authentisch, was uns der Brite bestätigte der im 5 Mann starken Trupp war, aber sehr gemütlich. Die Bestellung am Tresen war dann 4 mal Bier und ein mal Ginger Ale. Ich trinke ja schließlich keinen Alkohol. Naja, der Barkeeper stellte mir das Glas dann hin, wollte sich abwenden ohne Geld zu nehmen. Ich rief über den live Gitarre spielenden Menschen in der Ecke hinweg „How much?“ Als Antwort kam „It’s okay!“ – geht auf’s Haus. Kam mir das nur so vor, oder warf er mir einen leicht mitleidigen Blick zu? So angenehm wie es war nicht für den Drink – und das viermalige Nachfüllen bezahlen zu müssen (meine Damen, Drinks spendiert zu bekommen ist ein interessantes Gefühl!), kam ich mir doch ein wenig komisch vor. Dachte er, ich sei „Der Auserwählte,“ der arme Seppel der die Besoffenen hinterher nach Hause fahren muss? Hätte er dasselbe getan, wenn er gewusst hätte, dass ich keinen Führerschein habe und dass das Hostel nur 5 Minuten zu Fuß weg war?
Ganz ohne Ausgaben konnte ich den Abend aber nicht beenden, denn ich gönnte mir „Sweet Potato Fries“, Pommes aus Süßkartoffeln! Das war ja eigentlich der Bogen um zum Pub zu schlagen, das mit dem Essen meine ich. Wirklich Hunger hatte ich nicht mehr (auch wenn ich mir die Hälfter der Doughnuts für’s Frühstück aufgehoben hatte), nur ich wollte nicht so ungesellig sein und nichts essen. Unterm Strich überlege ich, da nachher noch mal hinzugehen, ob alleine oder mit anderen, diese Pommes waren nämlich mal verdammt lecker!
Ich muss sagen, ich bin froh, dass wir aus dem Alter sind, in dem man diskriminiert wird, wenn man keinen Alkohol trinkt. Ganz im Gegenteil, ich wurde sehr herzlich in der internationalen Gruppe aufgenommen (ein Italiener, ein Kanadier, ein Brite, ein Ire und ich als Deutscher) und ich hatte wieder meiner Erwartungen eine echt gute Zeit! Komasaufen ist hier nicht wirklich angesagt, alle blieben sehr zivilisiert (trotz „Frauengeschichten“) und mit 10$ war der Abend für mich sogar noch recht günstig.
Ich muss allerdings sagen, dass ich mich nach diesem Ausflug abgesetzt habe – halb wissentlich, halb unwissentlich. Wie eingangs erwähnt ist unter dem Hostel eine Kneipe. Da wollten die Jungs wohl noch hin, der war aber zu. Ich bin dann auf mein Zimmer, die anderen sind wohl noch ein bisschen weiter durch die Nacht gezogen. Mein Verschwinden hat mir aber keiner übel genommen und so habe ich doch tatsächlich schon ein paar Kontakte an meinem ersten Abend geschlagen, wow!
So, jetzt stellt euch vor, ich bin endlich fertig mit schwafeln. Aber das hat mir gut getan und ich hoffe ihr hattet mehr Spaß als Leid mit dem Artikel, trotz seiner Länge – immerhin sind ein paar Fotos drin die ihr gucken konntet!
Nachdem mein letzter Beitrag nicht einen einzigen Kommentar erhalten hat hoffe ich jetzt inständig auf ein paar warme Worte, sonst bin ich so enttäuscht, dass ich nie wieder einen Eintrag schreibe und ganz dolle beleidigt bin. Wer weiß, wann ich das nächste mal zu einem Beitrag komme… Ich muss mir jetzt erstmal Arbeit finden. Wünscht mir Glück!
Nachtrag am 6. 7.: War heute bei Bioware… WOW… Leider, LEIDER durfte man nicht über die Lobby hinaus. Aber hier mal die Awards die da rumstehen:
Die Rezeptionisten war unfassbar nett und erinnerte mich wie so viele Leute hier an eine Figur aus einer Fernsehserie, aber dazu in einem anderen Artikel vielleicht mehr… Das da im letzten Foto ist der Eingang zum “Baldur’s Gate Metting Room,” da drin hängt unter anderem quasi ein Filmplakat von “Schatten von Amn,” ich hätte am liebsten geschrieen! Dann kam auch noch die Ehefrau eines Angestellten mit ihren Eltern und die bekamen ne Führung! Die gibt’s aber nur wenn man auch Angehöriger ist, oder wirklich jemanden im inneren Zirkel kennt… Die mussten dann, unterschreiben dass sie nichts nach außen tragen würden, was sie sähen… Das hat mich SOOO neugierig gemacht! Die komplette dritte Etage ist ausschließlich Mass Effect gewidmet… So nah und doch so fern *seufz*!