Mich ereilte gestern die Bitte doch mal wieder was “philosophisches” zu schreiben, ich könne das ja angeblich. Leider muss ich sagen, dass ich keine Ahnung habe, was der betreffende Mensch damit sagen wollte, deswegen versuche ich mich einfach mal seit längerem wieder an dem, was ich sonst mal als “Geschwafel” bezeichne.
“Gott ist tot” – Nietzsche
“Nietzsche ist tot” – Gott
Wer kennt sie nicht, die spaßhafte Aufgabelung des berühmten Zitats von Friedrich Nietzsche. Ich erhielt Gott als thematischen Anstoß – wenn dir das nicht reicht appo, such nach Philosophieblogs ;P.
Wie also fange ich dabei an? Am liebsten führe ich da Blaise Pascal ins Feld. Er schrieb einst einen eindrucksvollen “Gottesbeweis”, der nicht die wirklich die Existenz Gottes beweist, aber durch logische Schlüsse eigentlich dazu führt, dass man an Gott glaub muss, es sei denn man sucht ein schlechtes Leben.
Ich gehe dabei erstmal davon aus, dass der werte Leser wenigstens für Logik empfänglich ist! Ich selbst bin mir ob meiner Position in Sachen Glauben nicht ganz sicher. Falls Gott existiert ist es für mich allerdings so oder so kein Mann mit Rauschebart, oder überhaupt nur ein Wesen! Es ist vielmehr die Idee des Transzendenten.
Der “Beweis” wird von Pascal durch zwei Gesprächspartner geführt. Ein Atheist unterhält sich mit einem Gläubigen. Zunächst werden dabei die Fronten geklärt. Beide akzeptieren und stimmen darin überein, dass man die Existenz Gottes nicht beweisen kann. Was für den Atheisten nun ein Grund ist nicht zu glauben (“Warum sollte ich an etwas glauben, was ich nicht beweisen kann?”) leitet der Gläubige daraus ab, dass wir trotzdem keinen anderen Weg haben als zu glauben: Er schließt eine Wette ab.
Wenn Gott existiert und die Wettenden ihn im Tod begegnen hat der Glaubende eindeutig gewonnen – der Atheist “verloren”; jedoch nicht wirklich! Auch für ihn gibt es das Leben nach dem Tod in Gottes Reich. “Gewinnt” jedoch der Atheist so verlieren beide, denn er kann seinen “Gewinn” wohl kaum auskosten. Der Gläubige jedoch hat sich in seinem Leben nichts vergeben, im Gegenteil, er hat die Hoffnung zu Lebzeiten gewonnen und Hoffnung kann mächtig sein!
So schließt der glaubende Mensch: Ich habe kaum eine andere Wahl zu glauben, denn was für ein Leben ist es in dem Wissen zu sein, dass nichts mehr kommt? Und vor allem: Was vergebe ich mir, wenn ich während meines Lebens glaube? Enttäuscht werden kann ich wohl kaum!
So viel zu Pascal. So schlüssig und sinnvoll all das erscheint reicht es mir offensichtlich nicht aus sofort zum Gläubigen zu werden. Glaube ist ohnehin ein unfassbar unwegbares Terrain. Zu schnell tritt man irgendjemandem auf die Füße und dann geht es schnell rund. Ich möchte nicht sagen, dass das eine oder das andere richtig ist – ich denke das steht niemandem zu – aber ein paar Fakten sind klar:
Heutzutage bastelt sich jeder im Grunde genommen seine eigene Religion zusammen. Aus den Fetzen aller möglichen Traditionen und Vorstellungen ergeben sich so immer internationalere Glaubensrichtungen. Klar geht das stark in Richtung Multikulturalismus und auch der wurde sicher schon an anderer Stelle ausgiebig genug abgedeckt.
Wie aber kommt es nun, dass z.B. eben trotz Pascal so viele Menschen an ihrem Atheismus festhalten, ja, teilwese auch aussagen ohne Glauben völlig glücklich zu sein? An dieser Stelle noch mal: Ich glaube auch nicht an die klassische Kirchendoktrin! Ich war seit mehreren Jahren nicht mehr in einer Kirche und das Vater Unser kriege ich nur mit Mühe auf die Reihe und ich bin deswegen doch auch kein Unmensch.
Ich denke, dass die heutige Übersättigung an Ablenkungen und Komfort für vieles davon verantwortlich ist. So sehr das jetzt auch klingen mag als suche ich einen “Verantwortlichen”, so meine ich das nicht so. Nicht zuletzt heißt es ja auch, die Menschen würden sich dann der Religion zuwenden wenn es ihnen schlecht geht.
Das erinnert natürlich direkt an Marx und Feuerbach; Gott als Droge des Volkes für sich selbst, bzw. als beruhigende Wunschvorstellung. Der Mensch mache sich selbst etwas vor. Und ich stimme zu, die Existenz Gottes im Menschen beweisen zu wollen. Ich finde es absolut lächerlich zu glauben, dass der Mensch in der Natur aus irgendeinem Grund einen höheren Stellenwert haben sollte!
Das heißt nicht, dass es keine Gesellschaft geben sollte, oder das ein Menschenleben nicht mehr wert wäre als das einer Ameise zum Beispiel, aber dass es für das Universum einfach keine Rolle spielt. Für uns schon, das ist ganz klar, aber wir sollten nicht denken, dass wir ja etwas so besonderes sind – jedenfalls biologisch nicht.
Der Mensch besteht aber nunmal eben nicht nur aus Biologie, sondern eben auch aus seiner Psyche (die nnatürlich im eigentlichen auch wieder biologisch ist). Ich würde mich nie davon freisprechen nicht irgendwann mal zu sagen, dass ich an Gott glaube – Glaube als Droge kann sehr wirksam sein!
Der Mensch sucht die Religion nicht umsonst als Halt. Sie stabilisiert wenn nichts anderes da ist. Um zum Ausgangspunkt zurück zu kommen und Nietzsche zu gebrauchen: Wenn wir Gott “umgebracht” haben, ihn für uns verdrängt haben und das irgendwann realisieren sollten, dann stehen wir eigentlich von einem ziemlich erdrückenden schwarzen Loch, wir trudeln haltlos durch ein Universum dessen Sinn wir nicht sehen.
Déscartes füllt das Loch mit Gott, viele andere taten und tun das Gleiche. Heute nehmen wir uns eben andere Dinge. Ein Mensch der immer nur darüber reflektiert ob er vor der Sinnlosigkeit steht oder nicht, geht in meinen Augen relativ schnell ein.
Warum ich das ganze erzähle? Nun, zum einen weil ich darum gebeten wurde und den Anstoß mit Gott bekommen habe, zum anderen aber, weil es eine schöne Parallele erlaubt:
Ich bin in letzter Zeit viel öfter rausgegangen als sonst. Teils gezwungermaßen, aber mehr und mehr auf freiwilliger Basis. Zu einem großen Teil liegt das daran, dass ich aufgehört habe über die eigentliche Handlung und ihre Folgen nachzudenken, sondern es einfach zu tun.
Einerseits ist das natürlich nicht schlecht – mal unter Leute zu kommen, zugegebenermaßen Spaß zu haben, etc.. Doch auf der anderen Seite denke ich eben manchmal, ob ich mich nicht so auch der Droge des Vergnügens hingebe. Wie hieß es doch gleich bei Mill: Lieber ein unzufriedener Sokrates als ein glückliches Schwein. Werde ich also zum Schwein, oder hat der Sokrates nur ein bisschen Glück auf der Straße gefunden?