Okay, nachdem der Eintrag von gestern ja nun wirklich Käse wär möchte ich heute mal auf zwei PC-Spiele eingehen. Wie der Titel erahnen lässt handelt es sich dabei um (Richard Garriott’s) Tabula Rasa und (Clive Barker’s) Jericho. Während ich zum ersten Titel nur kurz eine Anekdote erzählen werde, widme ich der Demo zum zweiten Titel etwas mehr Aufmerksamkeit. Ich bin mir übrigens durchaus im Klaren, dass ein paar Bilder diesen Artikel taktisch sehr stark unterstützen würden – leider war ich dafür aber zu faul.
Fangen wir also mit Tabula Rasa an. Ich war nie wirklich ein großer Fan von MMORPGS. Ja, ich habe mal Guild Wars, Linneage 2, Ragnarok Online und Dark Age of Camelot gespielt, aber nie intensiv genug um behaupten zu können ich sei ein wirklicher MMOG-Freund. Trotzdem haben mich einige Spiele natürlich fasziniert und tun es auch immer noch, wie z.B. The Chronicles of Spellborn (fangt doch bitte endlich mit der offenen Beta an, Jungs!).
Nun, eins dieser Spiele war auch Tabula Rasa. Das Konzept hörte sich recht interessant an, es sah nett aus und versprach viel. Es war für mich zwar klar, dass ich es nicht spielen würde (allein den Gebühren wegen) und doch habe ich seinen Werdegang verfolgt.
Das zumindest habe ich geglaubt! Denn als ich neulich so ganz unbedarft durch den hiesigen Saturn schritt fiel mir eine spieleübliche DVD-Box mit der Aufschrift “Tabula Rasa” ins Auge. Es war zwar nur ein Preoder-Package, aber man schaue sich z.B. Amazon.de an, wo angegeben wird das Spiel erscheine am 19. Oktober. Ich habe also wohl doch mehr verpasst als ich dachte.
Schlimm ist das nun sicher nicht – es war schließlich kein Duke Nukem Forever dass mir da im Regal entgegenstand. Und doch hat es mich irgendwie nicht ganz kalt gelassen. Bin ich so unaufmerksam geworden, oder gab es wirklich eine kaum Werbung? Auch scheint es sich seit dem letzten Stand den ich erfasst hatte noch reichlich verändert zu haben. Klar, bei Betas ist das ganz normal, aber es gibt auch ein paar wenige Spiele die ihren Konzepten fast gänzlich durch den Prozess der Entwicklung treu bleiben.
Hier spanne ich nun den Bogen zwischen Tabula Rasa und Jericho: So wie mich das plötzliche Auftauchen von Tabula Rasa gewundert hat, so kam auch die Nachricht “Clive Barker’s Jericho: Demo veröffentlicht” für mich irgendwie unerwartet. Das letzte Mal als ich was davon gelesen hatte schien es noch so weit bis zum Release.
Ich hatte mich schon im Vorfeld für das Spiel interessiert, da es so wie F.E.A.R. (klasse Spiel) ein Horror-FPS ist und vielversprechend klang (wobei Papier natürlich geduldig ist). Das Erscheinen der Demo freute mich daher sehr.
Nachdem ein Download gestern Abend nicht mehr möglich war (alle gefundenen Server waren schrecklich langsam oder erst gar nicht erreichbar) hatte ich mir heute morgen einen Server von Gamers Hell geschnappt und lies den Download beim Bioshock-spielen einfach mal laufen. Nach einem halben Level und ca. einer Stunde war der Download dann fertig.
Ich musste erstmal feststellen, dass meine NTFS-Partition zu voll war, also mussten die Demos zu Darkstar One und Overlord dran glauben. Installiert wurde es dann trotzdem auf der EXT3-Partition die ich per IFS unter Windows eingebunden habe.
Dann ging es aber auch schon frisch an die Installation, die erstaunlich problemlos verlief. Erstaunlich problemlos? Naja, man weiß ja nie, was einen erwartet und meine Erfahrungen mit Windows sprechen für sich. Dann dachte ich mal wieder nach:
Was für Systemvorraussetzungen hat das Spiel eigentlich? Es ist ja eigentlich doch recht Next-Gen-artig, oder? Deine Kiste ist zwar nicht grade Alteisen, aber “cutting edge” dürfte man sie wohl auch nicht mehr nennen. Ach komm, was Bioshock packt, packt Clive Barker allemal.
Kommen wir nun also zum Review-Teil: Die Ladezeiten sind erstaunlich kurz. Ins Menü braucht es keine Minute (wahrlich keine Selbstverständlichkeit). Ist man dann aber einmal drin weiß man gleich woran man ist: Pulsierende Gewebestränge hängen im Hintergrund und schwarze Fliegen schwirren um das faulige Zentrum – wahrlich kein Anblick für Leute mit schwachen Nerven.
Von den Materialien die man vorher so einsehen konnte war mir klar, dass es das Spiel durchaus auf Blut und seine Konsorten ansetzt, von daher wusste ich was ich zu erwarten hatte. Allerdings muss ich einfach sagen, dass mir der Stil ziemlich gut gefällt. Es ist nicht der Ekel, sondern einfach die Atmosphäre die von der Szenerie ausgeht.
Dieser Eindruck bleibt auch erhalten wenn man sich dass Video “Einführung” ansieht, dass halb Marketing-Trailer, halb Tutorial ist. Die 7 Charaktere werden mit ihren einzigartigen Fähigkeiten vorgestellt und es gibt eine kurze Einführung in den Handlungsrahmen der Demo:
Es ist ca. die Mitte des Spiels und das Team wurde getrennt – man hat nur 3 Charaktere zur Verfügung: Einen Heavy-Gunner mit Gatling-Gun und Pyromanten-Kräften (Gegner abflackeln per Feuerdämon), eine Scharfschützin, die ihre Kugeln lenken kann und über Telekinese verfügt (Steine aus dem Weg räumen – wie praktisch) und einer Art Spionin mit Katana die Gegner per Blutmagie festhalten und aussaugen kann, sowie über die Fähigkeit verfügt Kugeln zu erschaffen die Gegner in einem Gewissen Radius in Flammen stecken.
Wie also sah es aus mit der Performance als es dann endlich (wobei endlich hier der falsche Ausdruck ist – auch beim Wechsel vom Menü ins Spiel sind die Ladezeiten fast schon zu vernachlässigen – nebenbei: Die Ladezeiten stimmen mit der Zeit überein die das Spiel wirklich braucht!) ins Spiel ging?
Erstaunlich flüssig! Die vorgegebenen Grafikoptionen waren alle auf Anschlag gesetzt, also habe ich erst einmal nichts daran verändert – das Spiel wird schon seine Gründe gehabt haben. Durchschnittlich 23 Frames bei deaktiviertem V-Sync zeigte Fraps. Keine Spitzenwerte, aber durchaus gut spielbar.
Grafisch empfand ich das Spiel als wahren Augenschmaus: Tiefenunschärfe, Bewegungsunschärfe, HDR, feine Texturen – alles sehr ansprechend gestaltet. Auch die von mir so geliebten Spielereien mit dem Field of View (dem was die Spielfigur sieht) waren da (Blut “auf dem Bildschirm” wenn man einen Gegner im Nahkampf per Katana ersäbelt, etc.).
Allerdings muss ich sagen, dass es in einer Hinsicht vollkommen anders ist als F.E.A.R. (mit dem mir ein Vergleich am angebrachtesten scheint): Es war kein Stück gruselig. Das mag daran liegen, dass man mit mehreren Personen unterwegs ist, am ehesten aber wohl noch daran, dass die Gegner einfach Massenware sind und z.B. dank 1000 Gatling-Gun-Munition einfach weggebolzt werden.
Das Augenmerk des Spiels liegt wenigstens in der Demo nicht so sehr auf Thriller, denn auf Ekel, oder Horror. Ich will damit nicht sagen, dass meine Erwartungshaltung enttäuscht wurde oder so, sondern dass ich es nur interessant fand, da die Screenshots die ich vorab gesehen hatte auch durchaus mehr vom “Angstfaktor” her operiert haben könnten.
An Fahrenheit erinnert fühlte ich mich, als es hieß einen Brunnenschacht hinabzukraxeln: Durch das drücken aufleuchtender Richtungstasten (Ego-Shooter-typisch natürlich mit WASD belegt) hält man sich so im Schacht fest. Als ein Monster von oben nachrückt heißt es dieses wieder mit Tasten zu verprügeln und von sich zu stoßen – sehr filmreif.
Ich darf allerdings sagen, dass die Demo sehr kurz geraten ist. Ich habe zwar noch nicht alle Wege ausprobiert, nur bin ich mir sehr sicher, dass die zwei, oder vielleicht 3 Abzweigungen nicht mehr als ein paar Sekunden Spielzeit einbringen. Das ist nun erstmal nichts schlechtes, denn lieber 10 Stunden spannungsgeladene Action, als 20 Stunden mit Leerlauf, aber es war schon wirklich eine der kürzesten Demos die ich je gespielt habe – wenn auch wahrlich eine der besseren!
Zum Vollpreis wird es mir vielleicht ein bisschen teuer, aber zum Budget wird Clive Barker’s Jericho allem Anschein nach in meinem Regal landen. Zuerst aber mal sollte ich noch Bioshock und Stalker durchspielen bevor ich mir Gedanken über andere Spiele mache.