”Ah ja, alles klar, danke schön. Wissen Sie zufällig ob’s das in den Arkaden auch zu dem Preis gibt? Ich erreich’ da nämlich keinen.”
”Nein, kann ich ihnen nicht sagen, geschweige denn versprechen.”
”Müsste doch aber eigentlich, oder?”
”Naja, ich hab keinen Zugang auf deren Datenbank, ich kann’s also wirklich nicht sagen.”
”Okay, danke nochmal, dann versuch ich’s bei denen nochmal. Wiederhören.”
Ich legte auf und wählte bestimmt zum vierten Mal die Nummer vom Saturn in den Arkaden. Dass Service bei denen nicht besonders groß geschrieben wurde war mir klar, aber dass ich da nach 5 Minuten durchläuten immer noch niemanden am Apparat hatte erschien mir merkwürdig. Auch dieses Mal klingelte es verdächtig lange, dann aber ging jemand ran.
”Saturn Münster, was kann ich für Sie tun?”
”Ja, hallo. Schön dass man bei ihnen auch mal jemanden erreicht. Ich möchte mal in Erfahrung bringen zu welchem Preis Sie Bioshock für den PC verkaufen.”
”44,95€.”
”Aha, okay, danke, das war auch schon alles. Wiederhören.”
Ich schüttelte den Kopf. Konnte es wirklich sein, dass zwei Geschäftsstellen desselben Unternehmens in derselben Stadt unterschiedliche Preise für ein Produkt hatten? Nun, ja, ganz offensichtlich war es so. Ohne großes Zögern schnappte ich mir den Busfahrplan, nur um mich darüber aufzuregen, wie die von den Stadtwerken auf die Idee gekommen waren, den einzig nützlichen Teil des Plans, nämlich die Auflistung der Linien nach Haltestellen aus ihm zu entfernen. Schnell waren die bekannten Verbindungen gefunden und ich schnappte mir Jacke sowie Portemonnaie und ging aus dem Haus.
Es war ungewöhnlich für mich nach der Schule noch aus dem Haus zu gehen. Normalerweise verbrachte ich die Stunden bis ich Abends in Bett ging damit, vor dem PC zu sitzen und herumzuhacken. Es gibt aber Anlässe die mich außer Haus treiben. Wie z.B. großartige PC-Spiele. Gute Laune war mir außerdem durchaus zueigen, hatte ich doch gerade erst das Schreiben vom Bundesamt für den Zivildienst bekommen in dem es hieß
”Sie sind berechtigt den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern.”
So ging ich also zügig den Weg zur Bushaltestelle. Nicht lange und es kam eine brauchbare Linie und ich stieg ein. Mir fiel mal wieder auf, dass die Busfahrer einfach nicht auf die Karten blickten die man ihnen entgegenstreckte. Ich dachte an den Tag zurück, an dem ich in den Bus einstieg und einem Fahrer meine leere Brieftasche hinhielt und er es nur mit einem Nicken quittierte. Ich suchte mir einen leeren Platz und fand einen entgegen der Fahrtrichtung. Normalerweise machte es mir nichts aus so zu sitzen. Da ich aber wenig getrunken hatte wurde mir ein wenig schwummerig. Ich trank also einen Schluck und blickte mich, wie man es so in einem Bus tut, um.
Unter anderem fiel mein Blick auf ein schwarzhaariges Mädchen. Ich dachte einen Moment lang nach. Wäre es nicht interessant und doch gleichzeitig seltsam, würde sie mit mir am Bahnhof aussteigen, mit der 15, oder der 16 zur Dreifaltigkeitskirche fahren, den Saturn betreten und Bioshock kaufen? Natürlich tat sie das nicht und als ich am Bahnhof ausstieg war sie auch schon weg. Ich wartete also ein paar Minuten auf die 16 die bald kommen sollte und spielte mit meinem Palm rum.
Die nun folgende, etwas längere Busfahrt ging ebenfalls recht zügig vorbei und alsbald stand ich also im mir wohlbekannten Saturn. Das Regal mit Bioshock war schnell gefunden und das Preisschild sah gut aus: Die prophezeiten 39€ stimmten. Doch was war das? Drei Varianten? Es standen zwei Männer in meinem Alter vor dem Regal und beäugten die Situation.
”Sagt mal, wisst ihr welche davon die Collectors Edition ist?”
”Öh, hm, keine Ahnung…”
In dem Moment fiel es mir wie die sprichwörtlichen Schuppen von den Augen. Die unterste Version war steckte einem dicken Pappkarton samt Sammelfigur.
”Schon gut Jungs, wer lesen kann ist klar im Vorteil.”
Ich lächelte und griff ins obere Regal. Die andere Packung war nur für ein Preorder-Event gewesen, für mich also vollkommen nutzlos. Aber warum sollte man auch Peinlichkeiten entgehen, sind doch ne feine Sache. Ich machte mich auf zur Kasse. Dort hatte das Leben natürlich mal wieder zugeschlagen: Ein Mann kämpfte mir der Bezahlung per Geldkarte einer Festplatte. Das hielt verständlicherweise auf. Doch eine andere Kassiererin eilte hinzu und öffnete eine weitere Kasse mit den Worten
”Kommen sie doch eben rüber.”
Ich wusste, wenn ich das täte würden die zwei Personen vor mir schneller fertig sein als ich – Murphies Law. Doch eine Frau scherte vor mir nach links zur neu geöffneten Kasse aus. Also stand es 1 zu 3. Ich schlich also auch herüber und verkürzte so auf 2 zu 2. Wie konnte es anders sein: Ich wäre an der anderen Kasse schneller gewesen. Nicht viel schneller, aber ein bisschen halt. Ich grämte mich nicht und verließ frohen Mutes das Geschäft.
Bioshock war in einem Steelbook verpackt. Deswegen stutzte ich auch zunächst ob der Sonderedition. Man sieht halt nicht alle Tage eine gewöhnliche Verkaufsversion einen Spiels in einem Steelbook. Es fühlte sich schwer und wertig an, wie es so in meiner Jackentasche Unterschlupf fand.
Die Verpackung wurde stilecht im Bus Richtung Bahnhof aufgerissen um festzustellen, dass sich tatsächlich eine Anleitung darin befand. Diese litt unter dem Nachteil, das beim Druck wohl was schief gegangen war und eine Textpassagen dadurch nur schwerlich zu entziffern waren. Da ich aber schon die Demo gespielt hatte kannte ich die wichtigen Elemente schon, also stellte das kein Problem dar.
Ich steig schon zwei Haltestellen vorm Bahnhof aus. Warum weiß ich nicht so genau, es machte aber auch keinen Unterschied, da die Linien von dort ebenso gut fuhren wie eben zwei Stationen weiter. Auch hier musste ich mal wieder nicht lange warten. Ach, öffentlicher Nahverkehr sei gepriesen. Aber: Kaum sitze ich im Bus steigen ein paar halbstarke Türken dazu. Ich habe nichts gegen Türken, wirklich nicht. Nur stellte ich mir eine Frage: Warum müssen die das Klischee so bedienen?
”Ey, Murad, machsu misch an oda was?”
”Ey, isch mach disch nisch an”
Ja, so gehörte sich das.
”Ey Alter, achte Mal, wasn hässlicher Bastard da aufer Straße. Der geht bei meiner Mutter immer so in Frisörsalong und so.”
”Laber.”
”Ey, isch schwör und so!”
Einer von ihnen wurde aber ganz weich als ein eine kleine Katze in einer Tragebox sah.
”Ey, isch globsch hol mir ne Katze!”
Eines muss man den Jungs lassen, sie hatten auch durchaus selbstkritischen Humor:
”Ey Alter, Gökhan, Erkan, Wasserhahn, ich schwör, alles das gleiche.”
Kurz darauf kam meine Haltestelle. Ich stieg aus, ging über die Ampel und war zuhause. Mit Bioshock. Das Problem war, dass ich totmüde war. Warum genau wusste ich nicht, aber ich legte mich erstmal auf’s Bett. Nach kurzer Konversation mit meiner Mutter stand ich dann auf und schickte mich an meine Erwerbung zu installieren.
Ich musste schmerzlich feststellen, dass Geforce-Karten der 7000er-Generation kein Antialiasing bei gleichzeitigem HDR ermöglichen. Nun gut, also Bioshock ohne AA, kann man überleben.
So in etwa sah also gestern mein Tag aus. Man hätte ich auch so zusammenfassen können: “Hab mir gestern Bioshock gekauft. Oh, und meine Kriegesdienstverweigerung wurde angenommen”.
Und wie war mein Tag heute? Bis zur 5. Stunde recht stressfrei. Wer räumt nicht gerne Bücher um, statt Unterricht zu machen. In Informatik stieg mein Blutdruck ob einiger Problemchen gewaltig, aber hey, das braucht man auch mal.
Hm, ich belass es jetzt mal dabei. Auf Freitag!