Dieser Eintrag könnte für die kommenden Wochen vielleicht erstmal der letzte sein (dafür in der extra langen Ausführung die immer noch Dinge auslässt), denn ich habe mich ein wenig niedergelassen wenn man so will, aber dazu später mehr – ich wollte das nur am Anfang klargestellt haben, nicht dass es dann hinterher heißt ich würde ja gar nichts mehr schreiben. Auf der rechten Seite findet ihr jetzt übrigens meine neusten Tweets (das Widget wird noch aufgehübscht!). Denn auch wenn ich Twitter immer noch nicht soooo sehr mag ist die Android-Applikation einfach so famos, dass einem das zwitschern Spaß macht und so bekommt ihr hin und wieder wenigstens mal ein paar Häppchen zu lesen, wenn es schon kein voller Eintrag ist.
Also, meine letzten vier Tage waren von dem erfüllt was der Titel ausdrückt. Stress pur. Als ich am Freitag wach wurde, mein Frühstück verschlungen hatte und unten in der Lobby der Jugendherberge saß kam ich ans nachdenken. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar eine Menge von Vancouver noch nicht gesehen, aber es erschien mir so, als ob ich an meinem letzten Tag in dieser Stadt nicht schon wieder einfach durch die Straßen ziehen und irgendwas zu futtern suchen sollte – so viel Spaß das auch gemacht hat. Ich wusste, dass ich am Samstag gegen Mittag nach Seattle fahren würde. Was könnte ich also noch tun?
Die Erleuchtung kam als ich meinen Lonely Planet Reiseführer überschlug. Bei der Suche nach Sachen die in der Nähe von Vancouver sind sprang mir Whistler ins Auge. Von einigen Mitbeherbergten hatte ich am Rande positives über dieses kleine Örtchen mit Bergen gehört. Da ich ja noch nie wirklich Berge gesehen hatte und Whistler per Greyhound innerhalb von guten 2 Stunden zu erreichen war habe ich die Fahrt kurzerhand gebucht. Ab da ging der Stress dann los.
Im schönen Whistler angekommen schaute ich auf die Uhr. Ungefähr 4 Stunden an Aufenthalt waren mir gegönnt. Nachdem ich mit der Karte und der “Hilfe” der guten Dame im Touristeninformationszentrum nicht viel anfangen konnte bin ich einfach mal querfeldein gelaufen. Eine gute Idee wie sich herausstellte. Da es offensichtlich keine Hauptsaison ist konnte man schön Tourifrei laufen. Oder in diesem Falle eher ächzen. Ich habe mir einen Pfad mit einer ganz schönen Steigung ausgesucht. Und Pfad trifft es nicht mal, es war einfach Bergwiese die nach oben stieg. Ein schönes Panaorama aber hielt ich für ein gutes Ziel und so astete ich mir meinen Weg nach oben.
Unten im Dorf sah man schon einige Schilder: “Whislter is bear country” – Whislter ist Bärenland. Die Mülleimer sind so konstruiert, dass Bären sie nicht öffnen können und auch sonst wurde mehrfach auf Bären aufmerksam gemacht. Als ich dann so den Berg hinaufstieg und meinen Blick nach oben richtete sah ich auf einer Wiese einen schwarzen Flecken. Ohne mir viel Gedanken darüber zu machen stiefelte ich munter weiter. Als ich dann wieder hoch sah merkte ich, wie sich der Fleck bewegte. Lange Rede kurzer Sinn: Ich lief auf einen Bären zu!
Gut, ich war in mehr als sicherer Distanz, aber alleine auf diese Entfernung machte das Tier einen mächtigen, wenn auch behäbigen Eindruck. In den Fotos weiter unten ist das das sechste Bild. Aber halt! Noch nicht da hin gehen, erst weiterlesen, dann Bilder gucken.
Ich wartete ab, bis sich der Bär in den anliegenden Wald verzogen hatte und dann machte ich mich weiter nach oben auf. Je weiter es bergan ging, desto steiler wurde der Weg den ich mir gewählt hatte, aber umso mehr wuchs auch mein Ehrgeiz. In weiser Voraussicht hatte ich meine Stiefel angezogen (unglaublich bequem, bieten super halt, alles in allem ein nicht zu bereuender Kauf) und so war es alleine meine Ausdauer die ich auf die Probe stellen musste.
Als ich mich dann dem höchsten Punkt näherte, die Steigung aber immer noch zunahm setzte ich mir ein Ziel – einen Baum am Waldrand (Bild 5). Eine knappe halbe Stunde später dann stand ich am Fuße dieses gewaltigen Gewächses und musste mein fotografieren aufpassen nicht hinten über zu fallen. Belohnt wurde ich außerdem noch mit Schnee! Es war warm und immerhin Ende Mai und doch hatte sich hier im Schatten des Waldes ein kleiner Fleck gehalten. Wie gut es getan hat mir ein bisschen Eis zu schnappen und mich damit abzukühlen brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Auch die zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht so sehr juckenden Mückenstiche haben sich über ein bisschen Kälte gefreut.
Nun hieß es Koordinaten nehmen und Höhe messen. Dank Google G1 und dem bei ihm (endlich) funktionierendem GPS darf ich sagen ich war da. Mag auf der Karte nicht sehr beeindruckend aussehen, war es aber, wenn man da oben gestanden hat (Bild 4 für einen Eindruck auf dem halben Weg). Gestartet war ich um Dorf gute 400m tiefer.
Was denke ich also von den Bergen? Oh, ne ganze Menge! Ich denke, Whistler ist nicht das schönste was man sehen kann (nicht umsonst sagen viele sie sähen die Rockys lieber), aber trotzdem wundervolle Eindrücke, das muss man sagen.
Auf meinem Weg nach unten (natürlich wesentlich einfacher) sind mir dann doch tatsächlich wieder Bären über die Weg gelaufen – oder ich eher ihnen. Man achte darauf, dass ich Bären sage! Mindestens 4 Stück in näherer Umgebung. An einem musste ich sogar relativ nah vorbei (die letzten Fotos) und als der mich dann direkt angeschaut hat hab’ ich auch wirklich zugesehen, dass ich mich davon mache. Wer möchte schon mit einem Bären raufen!
Zurück also an der Bushaltestelle hieß es “Auf nach Vancouver”, denn dort musste ich schließlich noch mal übernachten und meine Sachen für den folgenden Tag packen: Seattle!
Gebucht hatte ich die Reise in die Stadt hinter der amerikanischen Grenze bei einem Unternehmen mit dem Namen “Quick Shuttle”. Am morgen hatte ich also meinen Rucksack gepackt und mich frohen Mutes auf den Weg einmal quer durch Downtown und die gleiche strecke noch mal auf der anderen Seite der Brücke gemacht. Am Hotel das der Abfahrtspunkt sein sollte erzählte mir man dann, dass der Bus da überhaupt nicht halte und dass sie die Residenz in Downtown gemeint hätten. Gut, das wären nur 5 Minuten zu Fuß gewesen statt gut einer Dreiviertelstunde, aber das mag ja noch mein eigenen Fehler gewesen sein. “Zum Glück” verwies man mich aber darauf, dass der Bus an einer Straßenecke in der Nähe vorbeifahren würde und ich ihn dann einfach heranwinken könne.
“Zum Glück” heißt: Gute 1,5 Stunden an besagter Straßenecke zu stehen, dann wieder zum Hotel zurückzugehen um dort mitgeteilt zu bekommen, dass das mit der Ecke eine Fehlinformation wäre, der Bus hält da seit einiger Zeit nicht mehr. Da das hier aber Kanada ist hat man bei mir erst gar keine schlechte Laune aufkommen lassen und für mich bei Quick Shuttle angerufen, mich für den nächsten Bus eingetragen und mich diesmal an die richtige Haltestelle verwiesen. Dort angekommen erfuhr ich direkt aus einem Gespräch mit einer jungen Dame, dass das dann auch wirklich der richtige Punkt sei und so ging es kurze Zeit darauf nach Seattle!
Die Busfahrt war bis auf ein bisschen Stau nicht weiter bemerkenswert (siehe Tweet auf der rechten Seite – Quick Shuttle Busse haben WLAN – praktisch aber nicht sooo erforderlich) und am Abend trudelte ich dann in der Stadt ein. Eh ich am Hostel ankam (auf dem Weg sprach ich zufällig mit einem Kriegsveteranen den meine bloße Anwesenheit fast zu Tränen rührte, da ich “das verkörpere wofür [er] gekämpft [hat]” und so…) war es halb 9. Dank extrem freundlicher Ratschläge konnte ich mich mit der Sicherheit dass die Space Needle bis 23:30 begehbar war noch ins Stadtleben werfen.
Ich kann jetzt verstehen warum die Erschaffer von Shadowrun diese Stadt als Konzept vorschlagen: Die Wolkenkratzer sind einzigartig, viele, viele verschiedene Firmen scheinen hier ihren Sitz zu haben und alles hat so ein gewisses Etwas an sich, was ich schlecht beschreiben kann. Wer nicht weiß was Shadowrun ist dem muss das nichts sagen, aber für die anderen: Ich habe ein paar Fotos gemacht und hätte unheimlich Lust da noch mal was aufzugreifen :D!
Das wichtigste war aber natürlich offensichtlich die viel gelobte Space Needle. Das Wahrzeichen von Seattle – quasi deren Freiheitsstatue. Ich muss sagen, dass ich selten so ein schönes turmförmiges Gebäude gesehen habe! Ich meine, der Düsseldorfer Fernsehturm, dieser eine Turm da in Vancouver (Name der Redaktion bekannt), alle teilen sie eine gewisse Eigenart. Die Space Needle aber fühlt sich irgendwie anders an. Ich mag ihre Optik allein schon sehr und die Aussicht ist natürlich auch fantastisch (auch wenn sie entgegen vieler Annahmen nicht das höchste Bauwerk der Stadt ist – das ist dieses schwarze Gebäude in den Bildern).
Ein paar Fotos später (Farina, überleg dir, dass ich dieses Foto auf dem ich zu sehen bin nur dir zuliebe gemacht habe und ich seh’ schrecklich aus :D!) war ich auch schon wieder unten, oben ging nämlich eine große Party. Prom und so. Im 90er Jahre Stil. Müde wie ich war schlug ich meinen Weg gen “Green Tortoise” ein und kam dort auch tatsächlich noch an, obwohl mir meine Füße sehr deutlich mitteilten was sie von meinen Touren hielten.
Totmüde und erschöpft fiel ich so auf die (ziemlich bequeme) Matratze um einer unangenehmen Nacht entgegenzublicken. Der ständige Wechsel zwischen schwitzen und trockenen Innenräumen hat sich nämlich als Erkältung niedergeschlagen unter der ich immer noch leide (halt ein bisschen Gliederschmerzen, Schnupfen, spröde Lippen, etc.) und so war mein Schlaf alles andere als erholsam. Mit dem engen Zeitplan für den folgenden Tag im Nacken war das Aufstehen am nächsten Morgen nicht das schönste, aber was muss das muss schließlich.
Als ich nämlich meinen Bus nach Seattle gebucht hatte, war auch gleich die nächste Reise mit dabei: Nach Banff! Im vorigen Eintrag hatte ich ein bisschen geschwindelt um die Überraschung für Rabanus nicht zu versauen, ich wusste nämlich sehr wohl wo es hinging. Also am morgen in Seattle noch ein bisschen gedöst und dann ab zurück nach Vancouver!
In Vancouver war mein Aufenthalt nur sehr kurzer Natur. So kurz um ehrlich zu sein, dass ich ein Taxi nehmen musste, damit alles rechtzeitig klappte. Ein bisschen dumm geplant war meine Abfahrt nach Banff nämlich. Hätte der Quick Shuttle Bus nämlich Verspätung gehabt wäre mein ganzer Plan über die Wupper gegangen und ich hätte mich umbuchen lassen müssen etc.
Der Taxifahrer war Inder. Inklusive Turban, langem weißen Bart und Apu-Akzent. Im Gespräch auf der Fahrt zum Bahnhof erzählte er mir, dass er ein paar Jahre in Deutschland gelebt hatte und auch sonst gehörig rumgekommen war. Die Unterhaltung – wenn auch nur kurz – war sehr interessant. Schade, ich hätte mich fast gerne länger mit unterhalten, aber, Stress halt.
Am Bahnhof dann angekommen und seit Stunden ohne was zu essen stopfte ich mir beim Mc Donald’s einen Burger rein. Ich bin mir immer noch nicht so ganz sicher, wie man da gerne essen gehen kann… Ich meine, mal ehrlich, das Zeug schmeckt doch überhaupt nicht! Pappige Brötchen mit matschigen Buletten und ein bisschen Ketchup und Gummigurken. Vancouver war das ganz anders! “Vera’s” ist die Adresse für richtig gute Burger! Wenn ihr mal da seid geht mal hin und gönnt euch einen. Deren Slogan “You can’t beat Vera’s meat” ist schon wahr und man möchte bei jedem Bissen sagen “Mmmhm! This is a tasty burger!” Bei dem Zitat: Die Burger hier hinten heißen tatsächlich Quarter Pounder und Co. Ich fand das amüsant, auch wenn es natürlich zu erwarten war.
Hektisch also mit Burger in der Hand zum Greyhound um festzustellen, dass ich eine viertel Stunde zu früh war, aber was soll’s konnte ich wenigstens noch ein paar Minuten entspannen. Dann, als es ans Eingemachte ging wurde erstmal das Handgepäck inspiziert. Klar, keine Messer und sowas im Bus. Das Witzige? Als ich später ausstieg fiel mir ein, dass ich ja noch mein Messer im Handgepäck hatte! Tja, hat die Dame doch glatt übersehen… Ist ja nicht so, das wenn das gleich 2 scharfe Klingen und diverse andere potenziell ziemlich gefährliche Objekte enthalten würde… Hätte für mich unangenehm werden können wenn mir das im Bus rausgefallen wäre! Ist es aber zum Glück nicht und das nächste Mal denk’ ich vielleicht daran es auch richtig wegzupacken.
Eingestiegen und mit Sitz unterm Hintern ging es dann los. Man muss sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon unter leichtem Schlafentzug litt, dank nicht gänzlich genossener Nachtruhe in Seattle, also 13 Stunden Busfahrt voller Freude und verrenkter Position auf Bussitzen. Da half auch das mitgebrachte Kissen nicht viel. Wie gemein, dass die verteilten Umfragebögen “bessere Sitzgelegenheiten” durchaus als “möglicherweise zu verbessernde Dinge” anboten. Wurde natürlich von mir direkt angekreuzt. Mehrfach.
Sagen wir aber nun, ich bin gut angekommen. Müde, zerschlagen, erkältet und zerstochen, aber angekommen. Auf was ich mich jetzt natürlich freute war das Gesicht meines besten Freundes wenn ich völlig unerwrtet vor der Tür stehe. Ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Zunächst ein verschlafener Blick und ein paar tapsige Schritte gen Tür. Dann, der Blick nach oben. Kurzes Zögern, ein paar Schritte zurück, ein völlig ungläubiger Blick und dann ein Aufreißen der Tür, gefolgt von einer stürmischen Umarmung. Ja, die Überraschung war vollauf gelungen.
Was folgte war ein Spaziergang durch den Wald samt Berg. Und hier in Kanada heißt das auch Wald und Berg. Nicht “ein paar Bäume mit Hügeln”. Wie Rabanus so schön bemerkte: Nach einer Weile fällt einem die Schönheit der Natur schon gar nicht mehr auf, aber für mich, als Erstlingsbesucher war es einfach ein komplett umhauendes und überwältigendes Erlebnis. Ein Blick auf die Umgebung schöner als der andere. Hoffi: Ja, man kann mit den Romantisierungen übertreiben, aber nicht hier. Nicht, wenn du das erste Mal da stehst und lauschst, auf das Wasser wie es durch das Flussbett rauscht, spürst, wie der Wind dir sanfte Schauer über den Rücken jagt und du verstehst wie winzig du eigentlich bist auf diesem Erdenball, verglichen mit den schneebedeckten Koppen der Berge. Probier’s mal aus :P!
Das Ende vom Lied sieht jetzt wohl so aus, dass ich mir hier einen Job suchen werde und dann eine Menge Zeit gemeinsam mit dem Windraben verbringen werde. Wie gesagt, im Moment bin ich zu erkältet um wirklich aktiv auf Jobsuche zu gehen, aber morgen dann muss das einfach was werden, weil noch viel länger kann und will ich nicht auf dem Campus des Banff Centers schlafen.
Ja, das ist also mein jetziger Stand der Dinge! Fast 2.500 Wörter später seid ihr also auf dem Laufenden was meine Reise angeht und wie eingangs gesagt gesagt zweifel ich ein wenig daran, dass ich in den kommenden Tagen groß was zu erzählen oder an Fotos zu zeigen habe, deswegen ja nicht enttäuscht sein. Immerhin könnt ihr diesen Eintrag hier sicher mehr als zwei Mal lesen.
P.S.: Diesmal dürft ihr alle Tippfehler behalten wenn ihr sie findet.