Canmore und die Arbeitssuche

Wer gesagt hat es sei einfach hier Arbeit zu finden lügt. Wie, ich hab’ sowas gesagt? Oh… hm, in dem Falle bin ich wohl ein ganz gemeiner Lügner. Es zeigt sich nämlich, dass es irgendwie doch nicht ganz so einfach ist?

Nicht, dass es nicht genug “Help wanted”-Schilder in den Fenstern geben würde. Nicht, dass mein Bewerbungsdokument (hier “Resume” genannt) schlecht wäre. Nicht, dass ich mir Jobs aussuchen würde die ich eh nicht erreichen könnte. Wenn ich alle Bewerbungen zusammenziehe dürften es ca. 30 sein die ich bislang herausgegeben habe. Bei verschiedenen Unternehmen selbstverständlich. Vom Souvenirverkäufer über Hausmeistertätigkeiten zum Menschen der im Hotel an der Rezeption steht.

Da es noch ein bisschen dauern könnte bis es einen neuen Eintrag gibt in dem es wieder richtig was zu erzählen gibt halte ich euch mit diesem hier wenigstens ein bisschen auf dem Laufenden.

Die ersten beiden Paragraphen verraten es schon: Ich bin immer noch arbeitslos und stoffel die Tage irgendwie so vor mich hin. Ich meine, wer kennt es nicht, das berühmte Phänomen: Wenn man nichts zu tun hat, man einfach nur rumhängt, dann kriegt man auch nichts geschafft. Wenn man auf Achse ist, ohnehin schon in der Bewegung, dann ist es auch kein Problem noch Dinge anzupacken und zu schaffen. Tja und da ich im Moment ganz schön weit von einem geregelten Tagesablauf entfernt bin (aufstehen irgendwann so um 11, schlafen gehen irgendwann zwischen 23 und 2) erbringe ich zur Zeit auch keine Heldentaten.

Schlimmer noch, es fühlt sich so an, als würde ich Arbeit vor mir herschieben nur damit sie dann hinterher auf mich herniederprasseln kann. Ich frage mich nur welche Arbeit das sein soll! Trotzdem rumort dieses unliebsame Gefühl von “Irgendwie war da noch was” in mir. Wie schnell man doch den Überblick verlieren kann, wenn man sich nicht zusammenreißt. So seltsam wie das klingen mag, aber irgendwie kann ich fast ein bisschen nachvollziehen, warum manch Arbeitsloser sich nicht aufgerafft bekommt! Ich meine, bei mir ist das temporär, denn spätestens in zwei Wochen ist das vorbei (siehe weiter unten), aber wenn man noch hoffnungsloser dasteht? Naja, weiter im Text, das hier ist schließlich “tikurion.net in Kanada”, nicht “tikurion.net im Depressionsland.”

Konzentrieren wir uns also lieber darauf was ich in den Wochen seit dem letzten Eintrag gemacht habe. Und da können wir dann auch endlich auf den Titel verweisen. Hier in Kanada braucht man um arbeiten zu dürfen eine sogenannte “Social Insurance Number”, oder kurz “S.I.N.” Die Shadowrun-Spieler unter euch dürften jetzt grinsen. Ohne diese Nummer geht hier auf jeden Fall nix. Wo jetzt so eine herbekommen? In Banff ganz sicher nicht – ist ja nur ein Kaff im Grunde, die teilen sowas nicht aus. Die nächstgrößere Stadt hier in der Gegend ist Calgary, das wäre allerdings eine teurere und längere Strecke gewesen als ich sie dann letztenendes genommen habe, denn:

Hier im Hostel habe ich das “Job Seeker Package” gebucht. Damit erhält man neben günstigeren Zimmerpreisen (weil man für 2 Wochen bleibt) so einen tollen Umschlag mit Infomaterial drin. So weiß man dann auch, dass Banff die Stadt mit dem höchsten Prozentsatz an an Geschlechtskrankheiten leidenden Menschen in Kanada ist. Gut, bei nicht mal 10.000 Einwohnern, aber über 4 Millionen Touristen im Jahr kann man das irgendwie nachvollziehen. Ich behaupte jedenfalls, dass 95% des Materials in diesem Umschlag direkt was für die Tonne ist (wo die Broschüren dann auch gleich gelandet sind) – bis auf ein Infoblatt. Und daaaa stand nämlich drin (um jetzt mal den Bogen zum vorigen Abschnitt zu schlagen), dass man für die SIN nicht bis nach Calgary muss, sondern man auch einfach nach Canmore kann.

Canmore ist nur eine gute halbe Stunde mit dem Greyhound entfernt. Entsprechend günstig ist daher auch die Fahrt. Und da man als arbeitsloser Arbeitsloser ja bekanntermaßen jeden Cent 2 mal umdreht kam mir das sehr gelegen. Der Lonely Planet beschreibt Canmore in etwa so:

Canmore ist eine kleine Stadt, gebaut entlang des Canadian Pacific Railways. Kleiner als Banff ist es ruhiger und abgeschiedener, weswegen mancher hier etwas Abstand vom Getummel sucht. Das Problem ist: Alle suchen etwas Abstand und Canmore ist jetzt ca. genauso rüsselig wie Banff. Trotzdem kommt der Stadtkern bislang ohne die großen Ketten aus.

Ich bin geneigt dem zuzustimmen. Ein nettes Städtchen, eher länglich und ruhig. Ein paar Wanderwege rund herum und fertig ist die Rocky Mountain Idylle. Anbei: Fotos (wie gesagt, im Moment etwas Schwierigkeiten mit der Shadowbox, bitte nachsehen).

Schnell also in das Bürogebäude hinein und keine Stunde später mit SIN wieder raus. Nein, ich werde jetzt nicht sagen, dass die kanadische Bürokratie der deutschen überlegen sein, weil ich aus anderen Berichten weiß, dass das auch hier sehr sehr anstrengend sein kann, aber ich für meinen Teil bin bislang immer ganz gut durchgekommen. Jedenfalls habe ich jetzt die offiziellen Voraussetzungen um arbeiten zu dürfen erfüllt. Für manchen Job braucht es zwar noch so eine Art polizeiliches Führungszeugnis, aber das besorge ich mir ganz sicher erst, wenn es erforderlich wird, denn es kostet ein paar Dollar und warum soll ich die rauswerfen, wenn ich es hinterher gar nicht brauche!

Tjaaa und ansonsten plane ich hier und da wie es weitergehen soll. Jetzt aber erst mal raus mit dem Beitrag, der lag schon ein paar Tage unter den Entwürfen, aber so richtig dolle fertig bekomm ich ihn ja doch nicht. Das nächste Mal wird’s dann wieder besser, weil ich da vermutlich auch endlich wieder im Rhythmus drin bin, oder so :D.

Stress

Dieser Eintrag könnte für die kommenden Wochen vielleicht erstmal der letzte sein (dafür in der extra langen Ausführung die immer noch Dinge auslässt), denn ich habe mich ein wenig niedergelassen wenn man so will, aber dazu später mehr – ich wollte das nur am Anfang klargestellt haben, nicht dass es dann hinterher heißt ich würde ja gar nichts mehr schreiben. Auf der rechten Seite findet ihr jetzt übrigens meine neusten Tweets (das Widget wird noch aufgehübscht!). Denn auch wenn ich Twitter immer noch nicht soooo sehr mag ist die Android-Applikation einfach so famos, dass einem das zwitschern Spaß macht und so bekommt ihr hin und wieder wenigstens mal ein paar Häppchen zu lesen, wenn es schon kein voller Eintrag ist.

Also, meine letzten vier Tage waren von dem erfüllt was der Titel ausdrückt. Stress pur. Als ich am Freitag wach wurde, mein Frühstück verschlungen hatte und unten in der Lobby der Jugendherberge saß kam ich ans nachdenken. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar eine Menge von Vancouver noch nicht gesehen, aber es erschien mir so, als ob ich an meinem letzten Tag in dieser Stadt nicht schon wieder einfach durch die Straßen ziehen und irgendwas zu futtern suchen sollte – so viel Spaß das auch gemacht hat. Ich wusste, dass ich am Samstag gegen Mittag nach Seattle fahren würde. Was könnte ich also noch tun?

Die Erleuchtung kam als ich meinen Lonely Planet Reiseführer überschlug. Bei der Suche nach Sachen die in der Nähe von Vancouver sind sprang mir Whistler ins Auge. Von einigen Mitbeherbergten hatte ich am Rande positives über dieses kleine Örtchen mit Bergen gehört. Da ich ja noch nie wirklich Berge gesehen hatte und Whistler per Greyhound innerhalb von guten 2 Stunden zu erreichen war habe ich die Fahrt kurzerhand gebucht. Ab da ging der Stress dann los.

Im schönen Whistler angekommen schaute ich auf die Uhr. Ungefähr 4 Stunden an Aufenthalt waren mir gegönnt. Nachdem ich mit der Karte und der “Hilfe” der guten Dame im Touristeninformationszentrum nicht viel anfangen konnte bin ich einfach mal querfeldein gelaufen. Eine gute Idee wie sich herausstellte. Da es offensichtlich keine Hauptsaison ist konnte man schön Tourifrei laufen. Oder in diesem Falle eher ächzen. Ich habe mir einen Pfad mit einer ganz schönen Steigung ausgesucht. Und Pfad trifft es nicht mal, es war einfach Bergwiese die nach oben stieg. Ein schönes Panaorama aber hielt ich für ein gutes Ziel und so astete ich mir meinen Weg nach oben.

Unten im Dorf sah man schon einige Schilder: “Whislter is bear country” – Whislter ist Bärenland. Die Mülleimer sind so konstruiert, dass Bären sie nicht öffnen können und auch sonst wurde mehrfach auf Bären aufmerksam gemacht. Als ich dann so den Berg hinaufstieg und meinen Blick nach oben richtete sah ich auf einer Wiese einen schwarzen Flecken. Ohne mir viel Gedanken darüber zu machen stiefelte ich munter weiter. Als ich dann wieder hoch sah merkte ich, wie sich der Fleck bewegte. Lange Rede kurzer Sinn: Ich lief auf einen Bären zu!

Gut, ich war in mehr als sicherer Distanz, aber alleine auf diese Entfernung machte das Tier einen mächtigen, wenn auch behäbigen Eindruck. In den Fotos weiter unten ist das das sechste Bild. Aber halt! Noch nicht da hin gehen, erst weiterlesen, dann Bilder gucken.

Ich wartete ab, bis sich der Bär in den anliegenden Wald verzogen hatte und dann machte ich mich weiter nach oben auf. Je weiter es bergan ging, desto steiler wurde der Weg den ich mir gewählt hatte, aber umso mehr wuchs auch mein Ehrgeiz. In weiser Voraussicht hatte ich meine Stiefel angezogen (unglaublich bequem, bieten super halt, alles in allem ein nicht zu bereuender Kauf) und so war es alleine meine Ausdauer die ich auf die Probe stellen musste.

Als ich mich dann dem höchsten Punkt näherte, die Steigung aber immer noch zunahm setzte ich mir ein Ziel – einen Baum am Waldrand (Bild 5). Eine knappe halbe Stunde später dann stand ich am Fuße dieses gewaltigen Gewächses und musste mein fotografieren aufpassen nicht hinten über zu fallen. Belohnt wurde ich außerdem noch mit Schnee! Es war warm und immerhin Ende Mai und doch hatte sich hier im Schatten des Waldes ein kleiner Fleck gehalten. Wie gut es getan hat mir ein bisschen Eis zu schnappen und mich damit abzukühlen brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Auch die zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht so sehr juckenden Mückenstiche haben sich über ein bisschen Kälte gefreut.

Nun hieß es Koordinaten nehmen und Höhe messen. Dank Google G1 und dem bei ihm (endlich) funktionierendem GPS darf ich sagen ich war da. Mag auf der Karte nicht sehr beeindruckend aussehen, war es aber, wenn man da oben gestanden hat (Bild 4 für einen Eindruck auf dem halben Weg). Gestartet war ich um Dorf gute 400m tiefer.

Was denke ich also von den Bergen? Oh, ne ganze Menge! Ich denke, Whistler ist nicht das schönste was man sehen kann (nicht umsonst sagen viele sie sähen die Rockys lieber), aber trotzdem wundervolle Eindrücke, das muss man sagen.

Auf meinem Weg nach unten (natürlich wesentlich einfacher) sind mir dann doch tatsächlich wieder Bären über die Weg gelaufen – oder ich eher ihnen. Man achte darauf, dass ich Bären sage! Mindestens 4 Stück in näherer Umgebung. An einem musste ich sogar relativ nah vorbei (die letzten Fotos) und als der mich dann direkt angeschaut hat hab’ ich auch wirklich zugesehen, dass ich mich davon mache. Wer möchte schon mit einem Bären raufen!

Zurück also an der Bushaltestelle hieß es “Auf nach Vancouver”, denn dort musste ich schließlich noch mal übernachten und meine Sachen für den folgenden Tag packen: Seattle!

Gebucht hatte ich die Reise in die Stadt hinter der amerikanischen Grenze bei einem Unternehmen mit dem Namen “Quick Shuttle”. Am morgen hatte ich also meinen Rucksack gepackt und mich frohen Mutes auf den Weg einmal quer durch Downtown und die gleiche strecke noch mal auf der anderen Seite der Brücke gemacht. Am Hotel das der Abfahrtspunkt sein sollte erzählte mir man dann, dass der Bus da überhaupt nicht halte und dass sie die Residenz in Downtown gemeint hätten. Gut, das wären nur 5 Minuten zu Fuß gewesen statt gut einer Dreiviertelstunde, aber das mag ja noch mein eigenen Fehler gewesen sein. “Zum Glück” verwies man mich aber darauf, dass der Bus an einer Straßenecke in der Nähe vorbeifahren würde und ich ihn dann einfach heranwinken könne.

“Zum Glück” heißt: Gute 1,5 Stunden an besagter Straßenecke zu stehen, dann wieder zum Hotel zurückzugehen um dort mitgeteilt zu bekommen, dass das mit der Ecke eine Fehlinformation wäre, der Bus hält da seit einiger Zeit nicht mehr. Da das hier aber Kanada ist hat man bei mir erst gar keine schlechte Laune aufkommen lassen und für mich bei Quick Shuttle angerufen, mich für den nächsten Bus eingetragen und mich diesmal an die richtige Haltestelle verwiesen. Dort angekommen erfuhr ich direkt aus einem Gespräch mit einer jungen Dame, dass das dann auch wirklich der richtige Punkt sei und so ging es kurze Zeit darauf nach Seattle!

Die Busfahrt war bis auf ein bisschen Stau nicht weiter bemerkenswert (siehe Tweet auf der rechten Seite – Quick Shuttle Busse haben WLAN – praktisch aber nicht sooo erforderlich) und am Abend trudelte ich dann in der Stadt ein. Eh ich am Hostel ankam (auf dem Weg sprach ich zufällig mit einem Kriegsveteranen den meine bloße Anwesenheit fast zu Tränen rührte, da ich “das verkörpere wofür [er] gekämpft [hat]” und so…) war es halb 9. Dank extrem freundlicher Ratschläge konnte ich mich mit der Sicherheit dass die Space Needle bis 23:30 begehbar war noch ins Stadtleben werfen.

Ich kann jetzt verstehen warum die Erschaffer von Shadowrun diese Stadt als Konzept vorschlagen: Die Wolkenkratzer sind einzigartig, viele, viele verschiedene Firmen scheinen hier ihren Sitz zu haben und alles hat so ein gewisses Etwas an sich, was ich schlecht beschreiben kann. Wer nicht weiß was Shadowrun ist dem muss das nichts sagen, aber für die anderen: Ich habe ein paar Fotos gemacht und hätte unheimlich Lust da noch mal was aufzugreifen :D!

Das wichtigste war aber natürlich offensichtlich die viel gelobte Space Needle. Das Wahrzeichen von Seattle – quasi deren Freiheitsstatue. Ich muss sagen, dass ich selten so ein schönes turmförmiges Gebäude gesehen habe! Ich meine, der Düsseldorfer Fernsehturm, dieser eine Turm da in Vancouver (Name der Redaktion bekannt), alle teilen sie eine gewisse Eigenart. Die Space Needle aber fühlt sich irgendwie anders an. Ich mag ihre Optik allein schon sehr und die Aussicht ist natürlich auch fantastisch (auch wenn sie entgegen vieler Annahmen nicht das höchste Bauwerk der Stadt ist – das ist dieses schwarze Gebäude in den Bildern).

Ein paar Fotos später (Farina, überleg dir, dass ich dieses Foto auf dem ich zu sehen bin nur dir zuliebe gemacht habe und ich seh’ schrecklich aus :D!) war ich auch schon wieder unten, oben ging nämlich eine große Party. Prom und so. Im 90er Jahre Stil. Müde wie ich war schlug ich meinen Weg gen “Green Tortoise” ein und kam dort auch tatsächlich noch an, obwohl mir meine Füße sehr deutlich mitteilten was sie von meinen Touren hielten.

Totmüde und erschöpft fiel ich so auf die (ziemlich bequeme) Matratze um einer unangenehmen Nacht entgegenzublicken. Der ständige Wechsel zwischen schwitzen und trockenen Innenräumen hat sich nämlich als Erkältung niedergeschlagen unter der ich immer noch leide (halt ein bisschen Gliederschmerzen, Schnupfen, spröde Lippen, etc.) und so war mein Schlaf alles andere als erholsam. Mit dem engen Zeitplan für den folgenden Tag im Nacken war das Aufstehen am nächsten Morgen nicht das schönste, aber was muss das muss schließlich.

Als ich nämlich meinen Bus nach Seattle gebucht hatte, war auch gleich die nächste Reise mit dabei: Nach Banff! Im vorigen Eintrag hatte ich ein bisschen geschwindelt um die Überraschung für Rabanus nicht zu versauen, ich wusste nämlich sehr wohl wo es hinging. Also am morgen in Seattle noch ein bisschen gedöst und dann ab zurück nach Vancouver!

In Vancouver war mein Aufenthalt nur sehr kurzer Natur. So kurz um ehrlich zu sein, dass ich ein Taxi nehmen musste, damit alles rechtzeitig klappte. Ein bisschen dumm geplant war meine Abfahrt nach Banff nämlich. Hätte der Quick Shuttle Bus nämlich Verspätung gehabt wäre mein ganzer Plan über die Wupper gegangen und ich hätte mich umbuchen lassen müssen etc.

Der Taxifahrer war Inder. Inklusive Turban, langem weißen Bart und Apu-Akzent. Im Gespräch auf der Fahrt zum Bahnhof erzählte er mir, dass er ein paar Jahre in Deutschland gelebt hatte und auch sonst gehörig rumgekommen war. Die Unterhaltung – wenn auch nur kurz – war sehr interessant. Schade, ich hätte mich fast gerne länger mit unterhalten, aber, Stress halt.

Am Bahnhof dann angekommen und seit Stunden ohne was zu essen stopfte ich mir beim Mc Donald’s einen Burger rein. Ich bin mir immer noch nicht so ganz sicher, wie man da gerne essen gehen kann… Ich meine, mal ehrlich, das Zeug schmeckt doch überhaupt nicht! Pappige Brötchen mit matschigen Buletten und ein bisschen Ketchup und Gummigurken. Vancouver war das ganz anders! “Vera’s” ist die Adresse für richtig gute Burger! Wenn ihr mal da seid geht mal hin und gönnt euch einen. Deren Slogan “You can’t beat Vera’s meat” ist schon wahr und man möchte bei jedem Bissen sagen “Mmmhm! This is a tasty burger!” Bei dem Zitat: Die Burger hier hinten heißen tatsächlich Quarter Pounder und Co. Ich fand das amüsant, auch wenn es natürlich zu erwarten war.

Hektisch also mit Burger in der Hand zum Greyhound um festzustellen, dass ich eine viertel Stunde zu früh war, aber was soll’s konnte ich wenigstens noch ein paar Minuten entspannen. Dann, als es ans Eingemachte ging wurde erstmal das Handgepäck inspiziert. Klar, keine Messer und sowas im Bus. Das Witzige? Als ich später ausstieg fiel mir ein, dass ich ja noch mein Messer im Handgepäck hatte! Tja, hat die Dame doch glatt übersehen… Ist ja nicht so, das wenn das gleich 2 scharfe Klingen und diverse andere potenziell ziemlich gefährliche Objekte enthalten würde… Hätte für mich unangenehm werden können wenn mir das im Bus rausgefallen wäre! Ist es aber zum Glück nicht und das nächste Mal denk’ ich vielleicht daran es auch richtig wegzupacken.

Eingestiegen und mit Sitz unterm Hintern ging es dann los. Man muss sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon unter leichtem Schlafentzug litt, dank nicht gänzlich genossener Nachtruhe in Seattle, also 13 Stunden Busfahrt voller Freude und verrenkter Position auf Bussitzen. Da half auch das mitgebrachte Kissen nicht viel. Wie gemein, dass die verteilten Umfragebögen “bessere Sitzgelegenheiten” durchaus als “möglicherweise zu verbessernde Dinge” anboten. Wurde natürlich von mir direkt angekreuzt. Mehrfach.

Sagen wir aber nun, ich bin gut angekommen. Müde, zerschlagen, erkältet und zerstochen, aber angekommen. Auf was ich mich jetzt natürlich freute war das Gesicht meines besten Freundes wenn ich völlig unerwrtet vor der Tür stehe. Ich muss sagen: Ich wurde nicht enttäuscht. Zunächst ein verschlafener Blick und ein paar tapsige Schritte gen Tür. Dann, der Blick nach oben. Kurzes Zögern, ein paar Schritte zurück, ein völlig ungläubiger Blick und dann ein Aufreißen der Tür, gefolgt von einer stürmischen Umarmung. Ja, die Überraschung war vollauf gelungen.

Was folgte war ein Spaziergang durch den Wald samt Berg. Und hier in Kanada heißt das auch Wald und Berg. Nicht “ein paar Bäume mit Hügeln”. Wie Rabanus so schön bemerkte: Nach einer Weile fällt einem die Schönheit der Natur schon gar nicht mehr auf, aber für mich, als Erstlingsbesucher war es einfach ein komplett umhauendes und überwältigendes Erlebnis. Ein Blick auf die Umgebung schöner als der andere. Hoffi: Ja, man kann mit den Romantisierungen übertreiben, aber nicht hier. Nicht, wenn du das erste Mal da stehst und lauschst, auf das Wasser wie es durch das Flussbett rauscht, spürst, wie der Wind dir sanfte Schauer über den Rücken jagt und du verstehst wie winzig du eigentlich bist auf diesem Erdenball, verglichen mit den schneebedeckten Koppen der Berge. Probier’s mal aus :P!

Das Ende vom Lied sieht jetzt wohl so aus, dass ich mir hier einen Job suchen werde und dann eine Menge Zeit gemeinsam mit dem Windraben verbringen werde. Wie gesagt, im Moment bin ich zu erkältet um wirklich aktiv auf Jobsuche zu gehen, aber morgen dann muss das einfach was werden, weil noch viel länger kann und will ich nicht auf dem Campus des Banff Centers schlafen.

Ja, das ist also mein jetziger Stand der Dinge! Fast 2.500 Wörter später seid ihr also auf dem Laufenden was meine Reise angeht und wie eingangs gesagt gesagt zweifel ich ein wenig daran, dass ich in den kommenden Tagen groß was zu erzählen oder an Fotos zu zeigen habe, deswegen ja nicht enttäuscht sein. Immerhin könnt ihr diesen Eintrag hier sicher mehr als zwei Mal lesen.

P.S.: Diesmal dürft ihr alle Tippfehler behalten wenn ihr sie findet.

Stanley Park + Chinatown + Rest = Vancouver die Zweite

Meine Vancouver-Erkundungen haben sich fortgesetzt und meine positiven Eindrücke bestätigt! Einzig die Obdachlosen sind wirklich ein Problem. Im Lonely Planet-Reiseführer wird kurz darauf verwiesen, aber die Realität sieht noch mal ein bisschen krasser aus. Keine Straßenecke an der man nicht angesprochen wird. Zwar sehr höflich (es sind schließlich noch Kanadier), aber manche dann doch recht aufdringlich – begleiten einen z.B. die Straße entlang: “Just to make sure you get there safely!” Naja, die meisten lassen sich mit einem einfachen “Sorry.” auf Distanz halten.

Wie im letzten Beitrag (/Fotoblogeintrag) erwähnt habe ich meine Route ein ganz klein wenig geplant, allerdings stecken noch ein paar Variablen drin. Was ich bislang WEIß ist, dass ich am Freitag nach Seattle fahre, da eine Nacht bleibe und es am nächsten Tag wieder zurück nach Vancouver geht, von wo aus ich dann weiterfahre. Wohin? Mal sehen.

Am Ende des Beitrags gibt’s wieder ein paar Fotos, denn: Wie im ersten Satz erwähnt bestanden meine letzten Tage aus diversen Touren. Der Titel sagt es: Chinatown, Stanley Park und einige andere Stadtteile habe ich unsicher gemacht und dabei wirklich nette Dinge gesehen. Fange ich mal eben mit dem Stanley Park an:

Überall heißt es er sei so toll und so großartig und überhaupt, dürfe man auf keinen Fall verpassen. Hm. Gut. Wie dürck’ ich das jetzt aus ohne enttäuschend zu klingen? Er ist jetzt nicht sooo beeindruckend? Also, keine Ahnung, vielleicht liegt das einfach an mir, aber ich finde er hatte nicht mal was besonders parkiges. Bäume, bisschen Wiese, ein paar Wege (asphaltiert, nicht mal was schönes zum wandern irgendwie) und eine ellenlange Küstenlinie.

Ich bin also zwei mal kreuz und quer durch den Park und habe mir dann die Kante gegeben den Park einmal zu umrunden (8,8 km + Küste). Ich bin mir jetzt sicher wie ich es vorher auch schon war: Ich bin einfach kein Mensch für das Meer. Es sagt mir einfach überhaupt nichts… Von den Leuten hier werde ich ein bisschen schräg dafür angeschaut (”Dann ist Vancouver nicht die Stadt in der du sein solltest!”). Ich denke, die Fotos die ich gemacht habe sind für mich schöner als das Erlebnis selbst. Die meisten würden das Wetter mit Sonnenschein und allem vermutlich als ideal betrachten und die Strände waren auch entsprechend voll – aber ich hätte es gerne ein bisschen verregneter. Na, man kann nicht alles haben. Schlecht war es mit Sicherheit nicht.

Dann Chinatown. Da bin ich eigentlich nur durch nach dem Kauf meiner Butickets auf dem Weg zu einem Restaurant (das zu hatte, dafür hab’ ich dann mal afrikanisch gegessen) und trotzdem hatte es was interessantes an sich. Generell merke ich, dass ich mich in urbanen Regionen sehr wohl fühle! Das Granville-Einkaufszentrum war wirklich beeindrucken und schön, aber das nur am Rande. Ich habe gehört, etwa 40% der Bevölkerung Vancouvers sollen Asiaten sein. Von dem was ich bisher so gesehen habe kann das durchaus stimmen. Klar, in Chinatown ist der Prozentsatz sicher bei 95%.

Eines hat mich direkt bei meiner Ankunft fasziniert: Während der Himmel wie in einem Kommentar erwähnt nicht sehr viel anders ist als in Europa so ist die Geräuschkulisse doch eine völlig andere! Wenn man durch die Straßen geht hört man z.B. öfter mal ein zwitschern, oder etwas das ein bisschen klingt wie ein Kuckuck, aber es sind keine Vögel, nein! Es sind die Ampeln! Immer wenn man auf die Knöpfe drückt (nicht an jeder Ampel vorhanden, da durch die Blockstruktur der Straßen alles ziemlich regelmäßig gehandhabt werden kann) piepst es, wird die Ampel dann grün (oder hier: Wenn die rote Hand auf ein weißes Männchen schaltet) macht es lustige Töne! Ich finde das einfach genial, so macht das überqueren der Ampeln gleich doppelt so viel Spaß! Und für die Sehbehinderten ist das sicher auch keine schlechte Sache ;).

Kulinarisch hat die Stadt auch einiges zu bieten. Ich habe des Gefühl längst nicht alles an Küche mitzubekommen was ich eigentlich gerne mitbekommen würde. Vor allem habe ich hier noch nichts chinesisches gegessen! Aber das werde ich bald ändern (Hunger!). Das beste allerdings was ich mir bislang gegönnt habe war das “Nu”. Empfohlen vom Lonley Planet liegt es direkt an der Küste (den Blick aufs Meer habe ich natürlich verschmäht und bin drinnen sitzen geblieben) ist das Essen zwar nicht gerade ein Schnäppchen (~26$ für etwas von dem man nicht satt gewesen wäre wenn man vorher nicht schon Sushi gegessen hätte), ABER – und das ist der entscheidende Punkt – es ist leeeecker! Der Laden hat ein wenig einen gehobenen Anspruch wie es aussieht, aber dem wird er gerecht. Ich hatte Riesengarnelen an Orangensauce mit Tomatenpüree auf sowas ähnlichem wie Spinat. Dazu gab es das beste Brot das ich in meinem Leben gegessen habe. Gereicht wurde es mit (extrem guter) Butter und Salz. Aber nicht irgendwelchem Salz, nein. Geräuchertes Salz aus der Region. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass Salz wirklich lecker sein kann! Absolut empfehlenswert. Und die Kellnerin war mehr als bemüht um mich. Nu(r) zu empfehlen!

Dann gibt es noch ein paar Kleinigkeiten die ich sonst nirgendwo untergebracht bekomme: Ich hatte keinerlei Problem mit dem Jetlag, was mich ein wenig verwundert hat. Dann habe ich mein Handy verkauft und mir vor Ort ein G1 gekauft – absolut atemberaubendes Gerät! Nie etwas so schickes zum spielen gehabt – so jedenfalls mein Gefühl. Es kann noch ein paar Verbesserungen vertragen, aber sonst absolut Hammer.

Wo ich dann doch gerade dabei bin: Handys sind in Kanada ne teure Angelegenheit! Man kann “wählen” zwischen Rogers und Fido. Warum “wählen?” Sind beide vom selben Anbieter. Rogers. Hier ist nicht viel mit Prepaid wie wir es aus Deutschland kennen. Es gibt “Vouchers” (so wie hier Guthaben zum laden auf den Account), aber es verfällt nach einem Monat. “Gut”, könnte man jetzt sagen, dann kann man aber ja wenigstens angerufen werden. Pustekuchen, denn hier hinten bezahlen bei einem mobilen Anruf beide Parteien! Wenn ich jemanden anrufe bezahle ich meine 30 Cent / Minute und mein Gesprächspartner auch! Habe ich also kein Guthaben kann ich auch nicht angerufen werde. SMS sind außerdem teuer, vom mobilen Internet fange ich erst gar nicht an (25$ für 500MB / Monat! 3G, nix HSDPA!) und so ist das mit dem telefonieren hier ein bisschen frustrierend, wesewegen ich vermutlich erst eine Nummer einrichten werde wenn ich wirklich eine brauche – ansonsten würde ich das Geld ja wirklich zum Fenster rauswerfen.

So, erstmal genug jetzt! Das nächste mal wenn geblogt wird gibt’s vermutlich Bilder aus Seattle und Auskunft darüber wo ich dann bin! Und nun: Fotos.

Staksig

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 mal abgestimmt, durchschnittlich: 4,00 von 5)
Loading ... Loading ...

Vancouver, Stanley Park.

Bald noch ein paar Bilder mit weiterer Reiseplanung. Danke an alle für die Kommentare! Werden hoch geschätzt!

Vancouver die Erste

(Vor)Gestern noch Frankfurt, heute Vancouver.

Stellt euch vor: Ich bin gut übergekommen. Der Flug war butterweich (bis auf ein ganz kleines Luftloch zum Beginn) und sehr angenehm (leider konnte ich “Twilight” dann doch nicht mehr ganz zuende sehe *kicher*). Das Essen war durchaus genießbar (die Mensa hat oft schlimmeres gereicht), der Service war klasse und neben einer netten Dame saß ich auch noch.

Die war es dann auch, die mich nach dem Flug ins Auto ihres Bruders gesetzt hat, der hat mich dann sogar bis zur Tür des Vancouver Hostel Downtown gefahren. Lesern von Rabanus’ Blog dürfte das bekannt vorkommen, es ist tatsächlich genau dasselbe. Soweit ziemlich angenehm, auch wenn der Raum in dem ich übernachte ein bisschen schlecht gelüftet ist – so müde wie ich bislang aber war stört mich das verhältnismäßig wenig. Im Moment sitze ich unten in der Lobby (hier so gegen 11 morgens) – das WLAN hakt ein bisschen, aber man kann damit leben.

Was also gibt es bislang zu erzählen? Was mir aufgefallen ist und bislang alle Klischees bestätigt hat ist, dass die Kanadier allesamt unglaublich freundlich sind… Man sieht kaum jemand der einen nicht anlächeln würde. Und tatsächlich! Als ich gestern aus versehen mit meinem Stativ auf dem Rücken eine junge Frau gestreift hatte, war es tatsächlich sie die sich entschuldigt hat.

Den Eindruck den ich von der Sadt bislang gewinnen konnte lässt sich denke ich am besten mit dem Wort “vibrant” umschreiben. Das würde man vielleicht erstmal mit “lebhaft” übersetzen. Für mich schwingt aber noch so eine gewisse “Emsigkeit” mit. Ich kann das schlecht festnageln, aber die Straßen sind voll von Menschen und man hat einfach das Gefühl willkommen zu sein.

Auf der Fahrt vom Flughafen nach Downtown war mein Gefühl zunächst ein etwas anderes. Alles ist höher (siehe Wolkenkratzerbilder), größer, aber vor allem weiter und weitläufiger. Aus dem Flugzeug heraus boten sich mir ein paar Augenblicke der Einsicht. Trotz einer Geschwindigkeit von gut 900 km/h streckte und streckte und streckte sich das Land unter mir. Wie winziger Adern führten ein paar Straßen durch die Weiten.

Klingt ein bisschen zu lyrisch? Kanada macht das mit einem! Wenn man Deutschland gewöhnt ist ist es schon etwas anderes. Nicht so anders wie ich es mir vielleicht an mancher Stelle vorgestellt hatte, aber doch entscheidend anders!

Was jetzt aber der faszinierende Teil ist, ist dass man sich eben trotz dieser Fremde irgendwie einfach wohlfühlen kann. Nach meiner Ankunft war vielleicht ein, zwei Minuten eine gewisse Überwältigung da – doch in der selben Sekunde spricht einen auch schon jemand an, ob einem geholfen werden kann. Wirklich, auf der Straße mit der Karte in der Hand, schon kam eine junge Frau auf mich zu und fragte ob man helfen könne.

Auch in der Herberge fällt Kontakt nicht schwer – auch wenn ich immer noch hoffe den großen Coup zu landen und jemanden zu finden mit dem ich ein bisschen durch die Gegend streifen kann.

Sicher habe ich schon etliches vergessen und ausgelassen – und das nach nur knapp einem Tag hier – aber so ist das eben. Hauptsache ich blogge die wenigestens einigermaßen interessanten Dinge ;).

So und jetzt: Ein paar erste Fotos. Sind nicht besonders gelungen, aber vielleicht bereiten sie ja doch dem einen oder anderen etwas Spaß.